Ein Installateur meint, bei Einrohrheizungen würden nur die ersten Räume warm, aber die letzten blieben kalt.

Antwort: Bei fachmännischer Auslegung wird auch der letzte Raum warm!

Ein Zweimarkstück ist mehr wert, als ein Markstück, denkt dieser Installateur und
reiht die „Zweirohr-Heizung“ entsprechend vor der „Einrohr-Heizung“ ein. Die Begriffe Einrohr-
und Zweirohr-Heizung sind dumm gewählt. Vergleichsweise unsinnig müssten die
Elektriker, anstatt von Reihen- oder Parallelschaltung von „Eindraht- oder Zweidraht-Leitung“
reden.
Das unschöne Wort Einrohr-Heizung bezeichnet eine alte Technik, bei der mehrere
Heizkörper hintereinander von einer Rohrleitung versorgt werden. Führt dagegen zu jedem
Heizkörper ein (Vorlauf-)Rohr das Heizwasser hin und ein zweites (Rücklauf-)Rohr wieder
zurück, so spricht man im Branchenjargon von einer Zweirohr-Heizung.
Nun lassen sich, je nach Betrachtungsweise und Einsatzzweck, Vorzüge für das eine oder andere
System erkennen. Das hat aber nichts mit der Heizleistung zu tun. Es geht dabei vielmehr
um Materialbedarf, um die Querschnitte von Rohrkanälen oder Mauerschlitzen, auch um Material-
oder Montageaufwand. Niemals um heiztechnischen Qualitätsunterschied!
Heizleisten sind Heizkörper und Rohrleitung in einem! Da drängt es sich förmlich auf, dass
man sie hintereinander aufreiht, wie Perlen auf der Schnur. Der Aufwand für Rohrleitungen
und Montage sinkt dadurch auf ein Minimum.
Selbstverständlich wird bei der Berechnung der Wärmeleistung der einzelnen Heizleisten, die
zusammen einen Heizkreis bilden, die Abkühlung des Heizwassers auf seinem Weg berücksichtigt.
Von gewissenhaften Planern auf 0,1 Grad (K) genau!
Auf dem oft langen Weg, vom Heizkessel durch die Heizkreise und wieder zurück, kühlt das
Heizwasser in einer san•cal Heizleistenanlage bei Nennleistung, das heißt bei -18°C
Außentemperatur, nur maximal 10 K ab. Entsprechend ist das Heizregister im ersten Abschnittes eines
Heizkreises „kürzer“ und das letzte etwas „länger“ ausgelegt als das in der Mitte des
Heizkreises. Dadurch wird sichergestellt, dass die installierten Heizleisten in jedem Raum die
richtige Wärmemenge abgeben und somit alle Räume, vom ersten bis zum letzten, richtig
heizen.

Hintergründliches: Der Heizungsbau gilt als sehr junges Handwerk. Erst nach dem zweiten
Weltkrieg wurde der „Ausbildungsberuf Heizungsbauer“ geschaffen, wie das im Amtsdeutsch
heißt. Bis dahin „ging zur Heizung“, wer als Schweißer, Schlosser, Installateur oder sonst wie
dazu Neigung hatte. Aus diesem Grunde fehlen der Branche vielfach korrekte Fachausdrücke,
wie sie in anderen Handwerken geprägt und oft durch Jahrhunderte gebraucht wurden.
Die technisch-wissenschaftliche Entwicklung des Heizungsfaches setzte ebenfalls erst in
jüngster Zeit ein. Eine Nomenklatur, ein Verzeichnis der Fachausdrücke existiert bis heute
nicht. So spricht beispielsweise ein Hochschulprofessor, der sich gern in der Rolle des
obersten Meinungsmachers auf dem Gebiet der Wärmelehre und des Energiesparens sieht,
noch heute von „Kälte“ und von „Kältebrücken“. Obschon bereits Hauptschüler lernen, dass
die Physik nur den Begriff „Wärme“ kennt, von der es eben mehr oder weniger gibt. Noch
kauziger wirkt seine Ausdrucksweise, wenn er von „Strahlungszug“ in der Nähe großer
Glasscheiben spricht.
So gesehen darf man sich also über fachsprachliches Kauderwelsch bei den Heizern nicht
wundern, wenn es selbst denen an Sprachdisziplin mangelt, die von Lehrstühlen aus ihre Gerten
über den Köpfen des Fußvolkes schwingen. Solange sich daran nichts ändert, bleibt die
Heiztechnik eine Rucksack-Wissenschaft.

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