Verursachen Heizleisten durch das Erwärmen der Außenwände nicht einen höheren Energieverbrauch?

Antwort: Nein!

Der Energieverbrauch wird dadurch sogar entscheidend gesenkt.
Bei hergebrachten Heizungen stehen die Heizkörper unter den Fenstern. Die Außenwände
daneben bleiben fühlbar kalt. In diesem kalten Zustand setzt sich im Baustoff viel
Feuchtigkeit fest. Diese Feuchtigkeit senkt den Wärmedurchgangswiderstand des Baustoffes
erheblich. Steigt die Feuchtigkeit einer Ziegelmauer nur um ein Prozent, so sinkt der
Wärmedurchgangswiderstand um fünf Prozent. Mit ansteigender Feuchtigkeit verschlechtert
sich also der berüchtigte U-Wert.
Heizleisten erwärmen nun die sonst kalten Außenwandabschnitte und trocknen sie aus. Wird
dabei nur ein Prozent Feuchtigkeit ausgetrieben, so bessert sich der U-Wert um fünf Prozent.
Die durchschnittliche Feuchtigkeit normaler Mauern nimmt erfahrungsgemäß durch die Heizleistenwärme
um mindestens fünf Prozent ab; das heißt, der Wärmeverlust nach außen verringert
sich um mindestens 25 Prozent.
Der Austrocknungseffekt hat bei Altbauten oft noch größere Bedeutung als die Energieersparnis.
Der natürliche Feuchtigkeitsgehalt der Außenwände ungeheizter Räume, oder auch
leerstehender Häuser, kann ein erstaunliches Ausmaß erreichen. Laien vermuten dabei regelmäßig,
aus dem Baugrund aufsteigende Nässe sei dafür verantwortlich. Gelegentlich teilen
sogar Fachleute diese Fehleinschätzung und empfehlen überflüssiges „Trockenlegen“.
Viel einfacher kann strahlungsintensives Heizen gerade mit Heizleisten in kürzester Zeit
feuchte Mauern dauerhaft austrocknen.
In einem aus Tuffstein gemauerten Mühlhaus lief bis kurz vor dem Heizleisten-Einbau der
Bach an der Hauswand entlang. Die Wände waren so nass, dass aus den Löchern, die durch
die Wände gebohrt werden mussten, statt Bohrstaub ein Brei wie flüssiger Mörtel fiel. Nach
dreimonatigem Heizbetrieb waren die Mauern staubtrocken.

Hintergründliches: Dass gerade Heizungsfachleute immer wieder den Unsinn vom erhöhten
Energieverbrauch durch Heizleisten an Außenwänden verbreiten, stimmt in zweierlei Hinsicht
sehr nachdenklich:
Die Heizung wird immer noch als eine von den jeweiligen Bauwerken angeblich völlig unabhängige
Angelegenheit ausgegeben. Man will sich auch weiterhin nicht mit Baustoffphysik
befassen.
In dem man leugnet, dass sich Bauwerk und Heiztechnik gegenseitig beeinflussen, will man
offenbar den Anschein erwecken, man beherrsche rundweg alles und sei in der Lage, jede
heiztechnische Aufgabe zu lösen. Die Praxis lehrt indessen, dass das Ansehen der Branche
infolge dieser fatalen Selbstüberschätzung ganz erheblich gelitten hat. Die Klimatechnik ist
anrüchig geworden. Das Sick-Building-Syndrome, die Eigenart mancher Häuser, Menschen
krank zu machen, konnte nur entstehen, weil sich die Klimatechniker nicht um die Wechselwirkung
zwischen Bauwerk und der Klimatisierung kümmerten. Andernfalls hätten sie
vielfach unlösbare Aufgaben erkennen und konsequent ablehnen müssen. Aus Angst vor
Auftragsverlusten besteht davor jedoch auffällige Scheu, wie vor der Kenntnisnahme
physikalischer Gegebenheiten.
Die berüchtigten U-Werte werden nach Laborwerten des Wärmedurchgangswiderstandes „trockener“
Baustoffe bestimmt. Vor der Messung wird ein Ziegel beispielsweise auf 120°C erhitzt,
um jegliches Wasser auszudampfen. Weil in der Realität eines Bauwerkes so etwas niemals
vorkommt, erweist sich kein einziger U-Wert in der Praxis als
realistisch. Dessen ungeachtet lassen sich Heizungsleute, ohne zu murren, auf die Beachtung
dieser wirklichkeitsfremden Werte gesetzlich verpflichten.
Wie würde die Ärzteschaft in solcher Lage reagieren?
Diese Frage erscheint nur jemandem zu hoch gegriffen, der nicht weiß, in welchem Ausmaß
Heiztechnik die Gesundheit der Menschen zu beeinträchtigen vermag.

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