Mein Installateur will Kupferleitungen nur hartlöten; andernfalls lehnt er die Garantie ab. Was soll ich tun?

Antwort: Erteilen Sie dem Installateur keinen Auftrag! Er hat von seinem Fach keine Ahnung.

(„Wer Kupferleitungen hartlöten will, muss eine weiche Birne haben“.)
Seit fast 30 Jahren bemüht sich das Deutsche Kupferinstitut, Berlin, das sogenannte Hartlöten
von Kupferinstallationen fernzuhalten. Anlass dafür waren Korrosions- und Bruchschäden an
hartgelöteten Kupferleitungen.
Inzwischen füllen die Hinweise auf die Zweckmäßigkeit von Zinnloten und chloridfreien,
wasserlöslichen Flussmitteln für Kupferrohr-Installationen schon Bibliotheken. Für Kalt- oder
Warmwasserleitungen ist ein Zinnlot jedem messing- oder auch silberlegierten Lot bei der
Kupferrohr-Installation überlegen.
Plausible Gründe sieht man in der Schmelztemperatur der Lote. Während für Zinnlote bereits
Temperaturen von etwas über 400°C für den Schmelzfluss ausreichen, erfordern Messingund
Silberlote Temperaturen bis zu 700°C. Dabei glüht das Kupferrohr-Material hellrot, formt
sich kristallin um und ist hinterher brüchig weich. Bei den Schmelztemperaturen des Zinnlotes
dagegen, verfärbt sich das Kupfer nicht einmal und behält die ursprüngliche Ziehhärte nahezu
vollständig.
Die Flussmittel-Rückstände sind bei den Zinnloten wasserlöslich. Sie können vor Inbetriebnahme
der Rohrleitungen mit kaltem Wasser restlos ausgespült werden. Damit sind gesundheitliche
und Korrosions-Schäden ausgeschlossen. Bei den Flussmitteln der messing- oder
zinnlegierten Lote ist das nicht der Fall.
Der Praktiker erkennt in der geringen Löttemperatur einen beachtlichen Vorteil. Schließlich
spart sie Anwärmzeit, also Arbeitszeit und verringert das Brand-Risiko.
Hintergründliches: Das sogenannte Hartlöten mit Messingloten hatte bei der Kesselflickerei
in früheren Zeiten erkennbare Vorteile. Bei einem Kupferkessel, der über dem offenen Feuer
hing, schmolz das Messinglot nicht außen vom Loch ab, wenn es innen zufällig nicht von
Flüssigkeit bedeckt war. Zinnlote hatten in dieser Situation keine Chance.
Die unglückliche Bezeichnung „hart“ und „weich“ für die unterschiedlichen Lötarten wurde
aus dieser Zeit zur qualitativen Wertung, die sich seit vielen Jahrzehnten schier unausrottbar
hält.
Selbstverständlich hat Messinglot in der Blechnerei seine Vorteile. An alten, kupferbeschlagenen
Schanktischen kann man gelegentlich noch Lötnähte finden, die schwalbenschwanzähnlich
gezackt quer über die Fläche verlaufen. Das sind Nähte „mit gleicher Blechstärke“, die,
mit angeschärften Kanten und versetzten Meißelschlägen kunstvoll verzahnt vorbereitet, gelötet,
überschliffen und poliert werden. Diese Handwerkskünste haben aber nichts mit Rohrinstallation
zu tun.
Ein weiterer Grund für das Beibehalten des Hartlötens durch manchen Installateur liegt darin,
dass beim Hartlöten die Lötnähte nicht vorgereinigt werden müssen. Die Flussmittel, z.B.
Borsalze, schmelzen schon vor der eigentlichen Löttemperatur und befreien die Lötstellen von
Metalloxiden und Schmutz. Das Lot wird dann im Schmelzfluss dick aufgetragen und tritt an
die Stelle des geschmolzenen Flussmittels. Dabei können größere Abstände der Lötteile leicht
abgedeckt und überschmolzen werden.
Zinnlote erforderten bei der Kupferrohr-Installation bis vor einiger Zeit eine gründliche Vorreinigung,
ja fast eine Politur der Muffen- und Rohrenden. Zum Schutz vor einer neuerlichen
Oxydation beim Erwärmen mussten sie mit Lötfetten versiegelt werden. Die Lötnähte selbst
sind sogenannte Kapillarnähte, die mit einem Abstand zwischen den Lötflächen von nur einem
Zehntel Millimeter kalibriert sein müssen. Das flüssige Lot saugt sich dann durch Kapillarwirkung,
auch gegen die Schwerkraft, in den Lötspalt.
Dieses Vorreinigen der Lötnähte machte besonders bei kleinen Rohrdurchmessern bis etwa
22 mm eine ganz erhebliche Mühe. Möglicherweise resultiert daraus die Abneigung vieler Installateure
gegen diese Lötart.
Mittlerweile werden ausschließlich pastöse Flussmittel verwendet, die sich mit dem Pinsel an
ungereinigten Lötflächen auftragen lassen. Beim Erwärmen reinigen die Flussmittel die Lötflächen
von Kupferoxiden und Schmutz, sichern den Lotfluss und gestalten auf diese Weise
den Lötvorgang ausgesprochen mühelos.
Zinnlöten an Kupferrohren ist für Laien völlig unproblematisch; auch wenn sie die Anleitung
dazu nur lesen. Fachleute, die hartlöten können, sind nach der ersten richtigen Lötnaht mit
Zinnlot für immer bekehrt.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *