100 Fragen Frage 36: Solarkollektoren für die Warmwasserbereitung? Doppelter Verbrauch & Schaden für die Umwelt!


Frage: Was bringen Solarkollektoren für die Warmwasserbereitung?

Antwort: Kosten für den Käufer sowie Umsatz und Gewinn für die Lieferanten!

Ein Schaltbild der notwendigen Heizmittel- und Wasserkreisläufe vermittelt einen Eindruck des technischen Aufwandes. Den kann die
"kostenlose" Solarwärme niemals einspielen, ehe wesentliche Anlagenteile verbraucht sind.

Der Glaube an und die Begeisterung für ein kommendes Solarzeitalter lassen vernünftigen Gedanken keine Chance. Dabei bleibt nichts
weniger einleuchtend, als dass zeitgemäße Ansprüche an Komfort die Sonnenwärme in unseren nördlichen Breiten unerschwinglich
teuer werden lässt. Schließlich scheint die Sonne stets entweder zu viel oder zu wenig.

Warmes Wasser muss immer aus dem Zapfhahn fließen. Deshalb muss für die Zeit, in der zu wenig Solarwärme geboten ist, eine
komplette zweite Anlage installiert werden, die mit der Ölheizung gekoppelt oder direkt mit Gas befeuert wird.

Damit diese zweite Anlage nicht zu viel beansprucht wird, legen vorsichtige Planer die Kollektoren reichlich groß aus. Das verbessert
das Warmwasserangebot im Spätherbst und im Vorfrühling.

Im Sommer kehrt sich dieser Vorteil um, denn dann bietet die große Kollektorfläche zuviel Wärme. Einen Teil davon fangen große
Warmwasserbereiter auf, aber der größte Pufferspeicher ist einmal voll. Dann muss der Wärmeüberschuss beseitigt wird. Das geschieht
durch ein automatisches Ventil. Es öffnet den Auslauf für das Warmwasser in die Entwässerung.Nicht sehr klug, dieser Einfall, aber
unumgänglich aus Gründen der Sicherheit! Eine Reihe technischer Maßnahmen wurden erdacht, wie Abschalt- oder Umschaltautomatik,
die jeweils "die Auswirkung des letzten Fehlers mildern" sollen (!). Am Ende steigen die Kosten für Herstellung, Betrieb und Wartung.

Nahezu unbeachtet bleibt immer noch die Verkeimungsgefahr der übergroßen Solarwarmwasserspeicher. Sie bieten den Bakterien-
stämmen der "Legionella pneumophila", den Verursachern der Legionärskrankheit, ideale Populationsbedingungen, allein von der
Wassertemperatur her. Der langsame Durchsatz bedeutet ebenso ideale Verweilzeit; das heißt Zeit für die Vermehrung der Bakterien.
Auf diese Weise werden die teueren Solaranlagen auch noch zu einem erheblichen Gesundheitsrisiko für die Betreiber.


Hintergründliches: Für alle Umweltaktivitäten, nicht minder für jede Solartechnik, kann nicht die Ökobrisanz als Meßlatte dienen,
sondern allein die Ökobilanz.

Interessierte Kreise werden immer wieder brisante Argumente finden, mit denen sich dies und das als unerlässlichen Umweltschutz
darstellen lässt. Dagegen helfen nur Besonnenheit und fachliche Kompetenz.

Die Solartechnik für häusliche Warmwasserbereitung gibt ein Paradebeispiel für gutgemeinten Unsinn ab. Schon der erste Ansatz
zu einer technischen Lösung offenbart große Mängel. Deren Auswirkungen werden nicht hingenommen, sondern durch neue Fehler
gemildert. Die (für unsere Ansprüche an ein Warmwasserangebot) zu geringe Sonnenstrahlung nördlich der Alpen wird durch größere
Kollektorflächen vermeintlich kompensiert. Vermeintlich, weil auch die größte Flächenwahl niemals ganz eine Serie trüber Tage
ausgleichen kann. Ebenso wenig wie der unsinnig große Pufferspeicher, der ja auch nur theoretisch den Ausgleich strahlungsloser
Nächte und strahlungsarmer Winterwochen bewerkstelligen kann.

Selbstredend gibt es Vorschläge, wie man das Auslaufwasser bei Überwärmung des Systems thermisch nutzen kann. Auch die
Verkeimungsgefahr der Großraumspeicher lässt sich durch Umwälz- und Zwischen-Aufheiz-Entkeimung mildern oder über Durchlauf-
wärmetauscher. Aber dadurch verlängern sich nur die Fehlerketten und die Amortisationszeiten für die Solaranlagen.

Bei den allermeisten Systemen werden die Kosten der Herstellung niemals wieder eingespielt. Dementsprechend bleibt die Ökobilanz
unausgeglichen, weil der Verbrauch an Ressourcen zu keiner Ersparnis an anderer Stelle führt. Im Gegenteil, weil das "Sonnenwarmwasser"
ja nichts kostet", dürfen Kinder damit duschen, solange es warm kommt.

Rüdiger Schweikl, der Umweltreferent der Landeshauptstadt München, zum Wasserangebot seiner Solaranlage im heißen Sommer
1992: "Meine Frau und ich sind gar nicht mehr nachgekommen mit dem Duschen und Baden!" Besser könnte die Gedankenlosigkeit
nicht dokumentiert werden, der selbst diese Kreise anheimgefallen sind.

Der Welt ist nicht gedient, wenn wir unangemessenen persönlichen Verbrauch nur mit anderen (solaren) Mitteln decken.
Warmwassersparen wäre die angemessene Devise. Dann könnten wir auf den Solar-Heckmeck verzichten und würden wirklich für
die Ökobilanz auf der Haben-Seite etwas leisten. (Siehe auch Antwort 93).



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