Die aktuelle Seite Belächeln - bekämpfen - beklauen


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Belächeln - bekämpfen - beklauen

 

Alfred Eisenschink

 

Auch wenn es noch so merkwürdig erscheint, in dieser Reihenfolge wird aus etablierten Kreisen jeder Neuheit entgegengetreten; ganz besonders gilt dies für alle Arten von Erfindungen. Ein Beispiel für die erste Stufe gibt alljährlich die Nürnberger Erfindermesse: Eine Handvoll Aussteller wird samt ihren Einfällen in Pressekommentaren regelmäßig der Lächerlichkeit preisgegeben. Anfängliche Kämpfe gegen die Dampfmaschine von Watt, gegen die Motoren von Otto, Diesel,  und viel später gegen den von Wankel sind Geschichte - nicht der Technik sondern des Kommerzes. Und sobald sich ein Erfolg des Neuen abzeichnet, wird geklaut, was das Zeug hält.

 

Ein Bericht über meine einschlägigen Erlebnisse entsteht aus reichlichem Abstand, der mich mittlerweile immer mehr von den Ereignissen trennt. Noch mehr trennt indessen das Niveau der Belächler, Bekämpfer und Beklauer. Aber urteilen Sie darüber selbst.

 

1964 hatte ich die Strahlenwärme der Heizleisten entdeckt. Die messbare Wärmeabgabe der Heizregister innerhalb der damaligen Blechgehäuse war viel geringer als die spürbare Wärmewirkung. Anstatt darüber nachzudenken, kanzelten professorale Branchenvordenker meine Hinweise ab. Ausgerechnet in Styropor sollte ich mich wickeln und meinen Tod infolge Wärmestaus abwarten, um die Lächerlichkeit meiner Ideen über die Wirkung von Wärmestrahlen selbst zu erkennen. Nachzulesen in CIC, Nr. 2, Jahrgang 1977, Seite 17.

 

"Minikonvektoren sind und bleiben diese Fußleistenheizkörper", wurde in der Heizungsbranche getönt, "man könne keine Möbel davor stellen" und überhaupt! Ich sprach weiterhin von "Heizleisten", baute und vereinfachte meine Heizsysteme und schon war der nächste Angriffspunkt gegeben: Heizkörper in Heizkreisen hintereinandergeschaltet, das waren "Einrohrheizungen". Die wollte man angeblich nicht mehr, weil einzelne Heizkörper nicht abschaltbar, weil die letzten Räume nicht mehr warm würden, und überhaupt!

 

Der Erfolg der Strahlenwärme über den ich laufend publizierte, rief den Verband der Radiatorenhersteller und den der Flächenheizungen auf den Plan. Der "Strahlungsanteil" von Radiatoren und sogar von Konvektoren wurde ins Feld geführt. Einfache Plattenheizkörper haben danach 55 Prozent Strahlungsanteil an der gesamten Wärmeabgabe. Auf Prüfständen wissenschaftlich gemessen! 55 Prozent bedeuten für ein demokratisches Wahlvolk absolute Mehrheit. Also, wer will da noch über die restlichen 45 reden!  Die 100 Prozent Strahlenwärme der Heizleisten wurden geflissentlich verschwiegen, werden bis heute von den Gegnern geleugnet.

 

Weil der Siegeszug der Strahlenwärme nicht zu stoppen war, kamen die ersten Trittbrettfahrer. Ein Architekt aus Diessen am Ammersee las mein Buch "Falsch geheizt ist halb gestorben" und empfahl schlicht, künftig nicht mehr zu heizen, sondern nur mehr zu "temperieren". Das wollte er mit meinen Heizregistern hinter einer Blendwand vor der Außenwand. 50 000.-DM Staatszuschüsse erhielt er dank guter Beziehungen für eine Musteranlage in der Dachauer Straße in München. Die Blendwand wurde nur so warm, wie die Außenwand mit meinen Heizleisten davor: aller Mehraufwand für die Blendwand rausgeschmissenes Geld.

 

Fortan temperierte der Mann nur mehr mit Heizrohren, die er in die Wände direkt einmauerte. Daraus wurde im Laufe von 20 Jahren die berüchtigte "Hüllflächentemperierung" mit der eine staatliche Beratungsstelle in München nichtstaatliche Museumsträger verrückt macht.

 

Der Übergang vom Bekämpfen zum Beklauen ist damit längst eingeläutet. Zuständige DIN-Normenausschüsse finden die "Wandflächenheizungen" unterdessen als normungswürdig und normungsnotwendig, basteln an Vorschriften für eine angeblich neue Heiztechnik, die sie aller Schlichtheit berauben und  amtsdeutsch umständlich in ebenso heiztechnisch riskante, wie bautechnisch problematische Form zwängen. Angeblich dienen Normen der "Vereinheitlichung der Technik" im Sinn und zum Schutz der Verbraucher. Tatsächlich liegen die Hintergründe im Beseitigen unliebsamer Wettbewerber. Schließlich sind Normen die Vorstufe "allgemein anerkannter Regeln der Technik", an die sich jeder Planer, Hersteller oder Lieferant gesetzlich zu halten hat. Und deshalb lassen sich mit Normen ganz trefflich die Weichen stellen: wehe dem, der sich nicht daran hält.

 

Als ich 1979 mit dem Deutschen Patent Nr. 29 08 145 mein Gas-Wärmespeicher-System der Heizungsbranche vorgesetzt hatte, ging ein Aufschrei durch die Reihen der Heizkesselhersteller. Mit einem gasbefeuerten Warmwasserbereiter und den genialen Heizleisten konnte ich Etagenwohnungen und kleine Häuser mit Warmwasser versorgen und gleichzeitig zentral und thermostatisch geregelt heizen. Meine Anlagen kosteten weniger als die Hälfte gegenüber hergebrachten Etagenheizungen.

 

Der Deutsche Verein der Gas- und Wasserfachleute DVGW, ein Prüf- und Regulierungsverein besonderer Art, "beschloss" eiligst, dass "das Entwärmen von Zirkulationsleitungen von Warmwasserbereitungsanlagen unzulässig" sei. Damit sollte mein Patent ausgehebelt werden. Auf meinen Einspruch gegen Verbotserlasse durch Vereine, bestätigte man eine "irrtümliche Protokoll-Formulierung".

 

Danach wollten plötzlich eine ganze Reihe von Gaswerken meine Anlagen nicht mehr mit Gas versorgen. Auch damit konnte mein System noch nicht vom Markt ausgeschlossen werden. Das gelang erst Jahre später mit der Heizanlagenverordnung, die nunmehr "vorschrieb", dass Zirkulationsleitungen von Warmwasserbereitungsanlagen - aus denen meine Heizleisten auf einfachste Weise die Heizwärme holten - zu dämmen sind. Nun war der Kampf gewonnen und das Beklauen erübrigte sich.

 

Die ebenso einfache wie wirksame Heiztechnik musste verschwinden. Damit war ein Wettbewerb vom Markt, der mit der Physik der Strahlenwärme von vornherein ein Viertel des Energieverbrauchs herkömmlicher Luftheizerei einspart, und obendrein nur ein Zehntel des Metallverbrauchs gesichert hätte. Eine wirklich ökologische und ökonomische Heiztechnik!

 

Mit den Heizleisten selbst war das Verbot nicht möglich. Die Menschen kauften sie, wollten das ideale Strahlungsklima genießen, obwohl Heizleisten nicht zu Heizkörpern nach DIN 4705 zählen. Seit in luftdichten Häusern Wände und Möbel schimmeln, gerieten Heizleisten zur wirksamen Abhilfe. Verbraucher berichten immer häufiger über das Verschwinden von Rheuma, Asthma und Allergien im urgesunden Strahlungsklima der Heizleisten. Strahlungswärme - und nur diese - hat in der Heiztechnik Zukunft.

 

Kein Wunder: Entsprechend viele Beklauer stürzen sich darauf. Anstatt weiterzudenken, zu entwickeln und fortzusetzen, was ich doch in allen Einzelheiten preisgegeben habe, wird das ideal Einfache von Stümpern zerfleddert. Das Internet liefert den Beweis.

 

Beispiel: Seit 1964 haben meine Heizregister Gleitkanten, die ein bequemes und sicheres Anfassen gestatten. Aber, Qualität kostet Geld. Billiger lassen sich die Heizregister ohne diesen Schutz herstellen. Und einer dieser Qualitätseinsparer schämt sich nicht, seinen Kunden die Schlappe mit folgendem Text im Internet anzudienen: "Die Lamellen sind fertigungsbedingt scharfkantig. Um Verletzungen zu vermeiden, sollten alle Arbeiten an den Lamellenrohren mit Arbeitshandschuhen ausgeführt werden."
Gleitkanten der Heizregister 

 

 

Aha! - Mehr fällt mir dazu, außer mitleidsvollem Belächeln, nicht ein. Ohne Hintergrundwissen kann man nur schlecht kopieren. Überzeugen Sie sich im Internet. Sie werden staunen.

 

Übrigens: Gut kooperieren brächte den kleinen aber feinen Unterschied. Aber welcher Dieb achtet beim Klauen schon aufs Feine?

 

PS: Die Schmähartikel der proffessoralen Branchenvordenker, die in der Zeitung CCi 1977 veröffentlicht wurden und meine Erwiderung sowie die Entwicklung neuer Thesen dieser Wissenschaftskreise werden in einer der nächsten Aktuellen Seiten behandelt.

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