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Biobauschäden
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Biobauschäden
Alfred Eisenschink
Da wurde eine Abneigung gegen Beton geschürt. Keine (Keller-)Mauern aus Beton, keine Decken, keine Treppen, nichts mehr. Ohne Rücksicht auf Standort, Bauart oder Zweck des Hauses. Holzdecken wurden angepriesen, etwa mit Einschüben und Korkschrotdämmung, nur in der Fläche angedacht, aber keineswegs bis zu den Anschlüssen an Mauern, Kaminen oder Treppen durchdacht. Wie mit Tragmauern und Trennwänden dabei umzugehen war, wußten die Baumeister bis etwa 1920 sehr genau. Danach versiegte das Wissen, wurde nach 1950 verdrängt. Plötzlich sollten die Betonbauer wissen, wie Holzdecken auf- und angelegt werden, wie sie unten zu verputzen sind, was gegen Trittschall- und Schwingungen zu machen ist. Holzdecken, auch noch holzverschalt, galten als besonders baubiologisch. Daß Decken luftdicht sein müssen, wenn die Räume darunter beheizbar sein sollen, war längst vergessen. Ein baubiologisches Architekten-Duo schraubte mit Plastikbändern eingerändelte Gips-kartonplatte kassettenähnlich unter die Holzbalken. Auf den Einschubbrettern lag Ölpapier wie in Schubladen alter Kommoden, und darauf grober Korkschrot. Kalter Wind fand einen Weg durch die Fugen des unterlüfteten (!) Bretterbodens des Wohnzimmers auf die modische Empore und direkt unter den Gipskartonfeldern der Decke in den zwischen den Sparren durchlüfteten Spitzboden. Je mehr der Hausherr seinen Warmluftkachelofen heizte, um so größer wurde der Warmluftauftrieb und mit ihm der Luftdurchzug im Haus. Hoffnungslos der Versuch, diese Physik dem Baubiologen-Duo zu erklären. Ein Gutachter erklärte den Bauschaden für schlechthin irreparabel. Nach einer anderen These sollte ein biologisch gebautes Haus über einen Biokeller auf gestampftem Lehmboden haben. Nur darin und ganz anders als auf einem Betonboden blieben Lebensmittel, wie Kartoffel oder Äpfel, voller biologischer Lebenskraft. In allen Häusern aller früheren Epochen sei so ein Biokeller vorhanden gewesen. Wieder kein Gedanke an den Standort und damit an die Bodenbeschaffenheit des Baugrundes, keine Besinnung auf die früher gegebene Notwendigkeit eines Wintervorrats nach Landschaft und Lebensart der Bewohner. Weil Häuser aus statischen Gründen besonders gut auf betonierten Bodenplatten stehen, mußten für jene Biokeller eben diese Bodenplatten ausgespart werden. Das öffnete freien Querschnitt in der Größe des Biokellerbodens für Wasserdampf aus dem immerfeuchten Erdreich darunter. "Genau diese dampfgesättigte Klima brauchen wir im Biokeller", meinte ein junger Bioarchitekt. Daß er damit ein Bauschadenprogramm verfocht, war ihm nicht klar zu machen. Muff und Schimmel sind in solchen Biokellern die Regel. Und der Schimmel wächst nicht nur an Böden und Wänden, sondern auch an Metall und Glas. "Weinflaschen-Alterungskammer" nannte ein hereingelegter Biokellerbauherr das Gemach, weil die Etiketten von Weinflaschen nach drei Monaten vergammelten, wie sonst kaum nach Jahrzehnten. ![]() Warum hört man nichts von derlei Schäden, warum steht nichts in Zeitschriften darüber? Weil kein Zeitgenosse gern eingesteht, was er falsch gemacht hat. Unter zehntausend Leuten findet sich erfahrungsgemäß ein Mensch, der zugibt, daß er einen Fehler gemacht hat. Und die Hereingefallenen streiten nicht mit den Hereinlegern, obwohl es meist gutes Recht wäre, weil sie selbst mitgeredet hatten und sich schuldig fühlen. Außerdem wollen sie ihre Ruhe haben. Zu machen ist hinterher sowieso nichts mehr. Richtig! Wenn es für Sie noch vorher ist, haben Sie ja alles noch in der Hand. Sie bauen nicht nur für sich, sondern auch für diejenigen nach Ihnen. Tun Sie was! |
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