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Bunte Städte, blauer Himmel !

Das war nicht immer so. Vermeiden wir den Rückfall!

"Aus grauer Städte Mauern zieh'n wir durch Wald und Feld..." so sangen wir als Kinder. Und die Städte waren wirklich grau. Aus dem München der Vorkriegszeit ist mir kein buntes Haus erinnerlich. Der "Münchner Rauhputz" aus Sumpfkalk und Quetschsand war bei Neubauten anfangs fast weiß und wurde von Jahr zu Jahr grauer. Ursache waren die ungezählten Küchenherde und Kohleöfen mit den Rostfeuerungen. Sie schleuderten tonnenweise Rauch und Ruß in die Luft. Und alles rieselte wieder auf die Stadt herunter; von selbst oder mit Regen und Schnee. Am Ende standen alle Städte im Einheitsgrau. Heute kocht oder heizt kaum noch jemand mit Kohlen oder Briketts. Doch die Rostfeuerungen sind immer noch nicht verschwunden, im Gegenteil! Eine Nostalgiewelle trägt sie in Neuauflagen alter Küchenherde und ausgerechnet in Kachelöfen weiter. Rauch und Ruß quellen wieder oder immer noch aus den Schornsteinen. Stadtverwaltungen fühlen sich veranlaßt, den guten alten Kachelofen zu verbieten, ohne zu wissen, daß sie damit nicht nur das älteste Kulturgut der Menschheit verbannen, sondern auch noch einen ökologischen Fehltritt mit schweren Folgen begehen. Einst führte Wissen zur Macht. Mit etwas mehr Wissen sind wir heute in der Lage, der Macht des Unwissens entgegenzuwirken. Und darum geht es.

Das war die Reihenfolge des Entgasungsanteils beim Abbrand. Hatten sich Kohlen auf einer Restglut ausreichend erwärmt, so begann das Entgasen. Dieses Kohlengas entzündete sich schließlich und brannte mit langen Flammen ab. Die Luft durch das Glut- und Aschebett, das auf dem Rost lag, war dafür meist zu wenig, und es entwickelte sich Ruß an den Flammenenden. Zur Abhilfe gab es an den Fülltüren der Feuerungen Zweitluft-Rosetten. Durch sie konnte ein aufmerksamer Heizer Luft in die Flammen leiten. Das minderte das Rußen, sofern die Zweitluft nicht zu kalt und nicht zu viel war, denn Abkühlung der Flammen unterbrach deren Ausbrand und führte wiederum zu Ruß. Nach dem Entgasen waren die Kohlen auf dem Rost in der Regel so stark erwärmt, daß sie glühend ausbrannten. Verlegte Asche den Rost, oder kühlte die Zweitluft zu sehr von oben, oder bedeckte die Glut nicht die ganze Rostfläche, ging das Feuer aus. Gaskohle, Flamm- und Fettkohle konnten "treiben oder backen"; das heißt sie liefen beim Entgasen auf oder klebten zusammen. Das behinderte das Durchströmen der Verbrennungsluft. Das Feuer rußte. Sechs Körnungen von Nuß 1, Größe von Hühnereiern, bis Nuß 6, Erbsengröße, sowie deren Abrieb beeinflußten ebenfalls die Verbrennungsabläufe.

Und dann gab es beim Kohlenhändler noch Saarkohle, Schlesische und Oberbayerische, jeweils mit unterschiedlichen Brenneigenschaften. Aber es gab zu keiner Zeit die gewünschte Kohlenart und Körnung. Für den "Hausbrand" und für die "Industrie", wurde vor und nach dem zweiten Weltkrieg vom zentralen Kohlenvertrieb geliefert, was gerade greifbar war. Deshalb, und weil kein Mensch vor dem Küchenherd oder dem Stubenofen ausschließlich den Abbrand beobachten und beeinflussen konnte, rauchten die Schornsteine Tag und Nacht, jahraus, jahrein was das Zeug hielt. Alle vier Wochen mußten die Kaminkehrer die Herde und Öfen, die Ofenrohre und auch die Schornsteine "kehren", das heißt von den dicken Rußschichten befreien.

Völlig anders brannte Jahrhunderte wenn nicht Jahrtausende zuvor das Holz auf den rostlosen Grundfeuerungen in der eigenen Asche. Darin wird die Glut auf der natürlichen Verbrennungstemperatur gleichsam "warm gehalten". Die Richtige Menge Sauerstoff gelangt ohne technische Hilfsmittel durch Gasdiffusion an die Kohlenstoffatome in der Zellulose. Die molekular verteilten Mineralien und Metalle in der Holzstruktur bleiben als filigranes Aschegerüst stehen. Das verhindert zu starke Abstrahlung und damit das Erlöschen der Glut. Bis zum letzten Kohlenstoff-Atom brennt Holz im Grundfeuer aus. Niemals bleibt ein erloschenes Scheit oder auch nur ein Körnchen Holzkohle zurück. Die Abgase eines Holz-Grundfeuers sind schadstofffrei, geruchlos und unsichtbar.

Und dieses ökologische Naturgeschenk wollen neuerdings Stadtverordnete in Bausch und Bogen verbieten!? Aus der gleichen Unkenntnis heraus, die sie mit unbelehrbaren Herstellern der Rostfeuerungen teilen. Nur die Roste sind schuld, daß selbst Holz mit Rauch und Ruß darauf verbrennt, die Luft, wie ehedem vielfach ungeeignete Kohlen darauf, verpesten.

Seit Jahren schreibe ich über das Wesen des Naturfeuers mit Holz, erläutere das Prinzip, rate zum Verzicht auf Feuerroste für Herde, Öfen und offene Kamine. Eine Architektin schrieb mir schon vor vielen Jahren: "Seit ich in meinem nostalgischen Küchenherd den Rost mit einer Stahlplatte abgedeckt habe, brauche ich die Hälfte Holz und die Herdplatte verrußt nicht mehr!" Ein Feierabendzündler berichtet: "Auch bei Dunkelheit rief mein Nachbar 10 Minuten nachdem ich Feuer im offenen Kamin gemacht hatte an, und klagte über den Gestank. Nun habe ich den Rost nach Ihrem Rat mit Sand zugeschüttet und mache das Feuer in der Asche hinter einem Steinrand. Der Nachbar riecht nichts mehr und meine Frau beißt kein Rauch mehr in den Augen!"

Das Grundfeuer im Holzofen macht auch keinen Dreck. Holz staubt nicht wie Kohlen und es müssen keine übervollen Aschekästen entleert werden. Die Asche von 50 bis 100 Feuern bleibt als Feuerbett im Ofen. Sie besteht aus Metall- und Mineraloxiden, ist nur anfangs federleicht und locker. Nach und nach fällt sie zusammen, verdichtet sie sich und ist zuletzt schwerer wie Sand. Nur in großen Abständen nimmt man etwas davon aus dem kalten Ofen und schafft eine Kuhle für die neuen Feuer.

Auch die Entgasungs- und die Glutphase lassen sich beim Holz-Grundfeuer nicht wie bei Kohlen trennen. Große Holzscheite brennen wie Zigarren der Länge nach und mit einer Aura kleiner blauer Flämmchen ab. Geübte Holzheizer wissen und beherrschen das. Lassen sich die Freude daran nicht nehmen; auch nicht den Back- und Bratspaß mit einem richtigen Holzofen.

 

>Allen Stadträten in Deutschland sei ins Stammbuch geschrieben: Mit dem Verbot von Kachelöfen oder offenen Kaminen, wird nach schlechtem anstatt nach "bestem Wissen und Gewissen" gehandelt. Nicht die Grundöfen für das natürliche Holzfeuer gehören verboten, sondern längst die untauglichen Rostfeuerungen aller Art.

Vergessen wir nicht: Ein richtiger Holzofen in der guten Stube kann den Heizöl- oder Gasverbrauch der Zentralheizung halbieren und die Lebensqualität verdoppeln. Und das auch noch mit großem ökologischem Gewinn. Wenn unsere Städte heute farbig sind, wie zu keiner Zeit davor, liegt eine der Ursachen im Verschwinden der unbeherrschbaren Kohlenherde und Kohlenöfen mit Feuerrosten. Wenn die Städte bunt und die Luft sauber bleiben sollen, müssen endlich die letzten Rostfeuerungen aus den "Einzelfeuerstätten" auch und gerade für Holz verschwinden.


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