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Den Richtigen richtig fragen !
Alfred Eisenschink
Immer mehr Leute "surfen" im Internet und viele entdecken die scheinbar kostenlose Gelegenheit, Wissenslücken zu schließen. Zu vielen Themen gibt es ein "Forum" und darin wird gefragt und geantwortet, was das Zeug hält. Aber die wichtigsten Antworten werden nicht gegeben. Weil die Fragen falsch gestellt sind. Es gibt keine dummen Fragen, sagt der Volksmund, und ich gebe ihm ausnahmsweise Recht. Indessen gibt es auch keine klugen, oder guten Fragen. Mit derlei Hinweisen wollen Befragte gern Bedenkzeit schinden und den Fragestellern schmeicheln. Richtige Fragen richten sich auf den nächsten gemäßen Schritt des Denkens oder Handelns. Alle anderen Fragen lohnen keine Antwort. Diese würde nur zur Rechtfertigung des Nichthandelns benützt. Ein vernünftiger Mensch, der sich nicht wohl, oder gar krank fühlt, läßt sich untersuchen, hört sich den Befund an und fragt allenfalls was er tun kann, um wieder gesund zu werden. Ein guter Arzt gibt ihm darauf die richtige Antwort. Vergleichsweise lese ich in einem Internet-Forum die Frage nach der Dosierung des Wirkstoffes eines Medikaments in Milligramm je Kilogramm Körpergewicht. Ein geheilter Laie antwortet darauf: "Ich hab's genommen und es hat geholfen!" Daraufhin wird nachgehakt, er müsse doch wissen, wieviel er geschluckt habe und wie schwer er sei. Und dann wird es auch noch befremdlich empfunden, daß der Arzt selbst diese einfache (!) Frage nicht persönlich beantwortet, sondern nur rät, der Fragesteller möge sich behandeln lassen. Was soll denn außer laienhaften Antworten herauskommen, wenn Laien an Laien laienhafte Fragen richten? Auf die schlichte Frage nach der "Wärmeabgabe" meiner Heizleisten antworte ich nicht, wie offenbar erwartet, mit einer Zahl, sondern physikalisch richtig: Die Leistung der Wärmestrahlung entspricht nach den üblichen Berechnungsverfahren der Heizungsbranche einer Größenordnung von 50 bis 700 Watt je Meter berippter Heizregisterlänge, abhängig von der Wassertemperatur und der Fließgeschwindigkeit. Der Fragesteller ist enttäuscht, aber ich kann ihm nicht auch noch erklären, daß und wie sich die Wahl der Heizwasserdaten und die zu installierenden Registerlängen aus den Verhältnissen eines Bauwerks ergibt, und warum sich die Fakten gegenseitig bedingen. Wieviel Prozent sparen Heizleisten im Vergleich zu anderen Heizungen (!) an Energie ein?, will ein anderer Zeitgenosse per E-Mail wissen. Und er ergänzt, solche einfachen Zahlen müssen doch vorliegen; schließlich brauche man ja nur zwei gleiche Räume unterschiedlich zu heizen, dann wisse man Bescheid. Der Mensch versteht nicht, daß es weder "gleiche Räume", auch keine zuverlässigen Meßmethoden gibt, noch unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen geben kann, weil es dafür keine Auftraggeber gibt. Vergleichende Werbung ist in Deutschland verboten. Eine Prozeßlawine würde jeden Auftraggeber vernichten. Der Verbrauch an Heizenergie hängt physikalisch von der Heiztechnik ab, wird aber auch noch von einer ganzen Reihe anderer Faktoren beeinflußt. Ein großer Heizkostenabrechner stellt Spitzen des Verbrauchs gleicher Wohnungen im gleichen Haus mit weit über 100 Prozent Differenz fest. Sogenannte Niedrigenergiehäuser verbrauchen erwiesenermaßen bis zu 300 Prozent der vorausberechneten Werte. Einer der Mitverantwortlichen für die sinnlose Dämmerei unserer Häuser rechtfertigt die regelmäßig überschrittenen Verbrauchsvorhersagen mit einer Quote von 43 Prozent als Folge der "Gaußschen Fehlervererbung". Quatsch! Die Luftheizerei und die falsche U-Wert-Theorie sind die Ursachen. Darum beantworte ich die scheinbar simplen Fragen nach irgendwelchen Prozenten, oder auch nach den besten "Werten" für dieses oder jenes Bau- oder Heizproblem nicht. Weil es die Zahlen ebensowenig gibt, wie die Ideallösung für alle und für alles, und weil damit auch niemandem geholfen wäre. Kein (!) Bauherr kann die wirklichen Problemstellen seiner Pläne richtig einschätzen. Es ist zwar (meinerseits) schon alles geschrieben über richtige Lösungen, aber längst noch nicht von allen gelesen. Deshalb ein aktuelles Beispiel: Zu der sterilen Computerzeichnung eines charmanten alten Hauses werde ich nach der Heizmöglichkeit mit Gas - ohne Schornstein - gefragt, obwohl das Haus zwei gute und gut plazierte Schornsteine hat. Den einen will die Baufrau aber für einen offenen Kamin verwenden, und den anderen für einen Backofen in der Küche. Ganz nebenbei ist der neue Bodenaufbau erwähnt, der über dem Erdreich unter dem Erdgeschoß zur Sanierung geplant ist. Und hier liegt ein Bauschadenprogramm vor, das durch die Schäden am alten Boden, von denen der Bauherr erzählt, bestätigt wird, aber von ihm nicht erkannt wurde. Der Frager ist sich ganz offensichtlich nicht im Klaren darüber, welches Problem hier eigentlich vorliegt, ahnt deshalb nicht, daß er mit einer "Sanierung" nur die unmittelbaren Folgen aber noch längst nicht die Ursachen beseitigt hat und deswegen mit Geld, das er dafür ausgibt, ein neues Bauschadensprogramm in Gang setzt. Was wäre diesem Bauherrn mit einer einfachen Antwort auf seine direkte Frage - die Möglichkeit einer Gasfeuerung ohne Schornstein - gedient gewesen? Hier hilft nur, das ganze Objekt mit ihm durchzugehen, seine wirklichen Probleme Schritt für Schritt zu lösen - und dabei ganz nebenbei auch das, weswegen er mich ursprünglich um Rat fragte: Anstelle des offenen Kamins rate ich zum Grundofen mit Backfach, und über den Küchenkamin löse ich die Heizungsfrage wirtschaftlich, dauerhaft, und vorbildlich. Bisweilen fragen aber Laien auch Fachleute, die sich jedenfalls dafür ausgeben. Ein Mensch, der schon gelesen hatte, was ich darüber geschrieben habe, schildert sein Erlebnis mit folgenden Worten: "Ein Verkäufer von Heizungsanlagen meinte kürzlich zu mir: Hände weg von Heizleisten und erzählte mir im Brustton der Überzeugung von Leuten, die das ausprobiert und nach einem Winter herausgeschmissen hätten. Ich verlangte sofort von ihm Telefonnummer und Adresse dieser Leute, worauf er sich an nichts mehr erinnern konnte. Der Name war weg, nur den Vornamen wußte er und die Stadt. Angeblich seien sie aber inzwischen umgezogen, wußte er auch noch, um sicher zu gehen, daß ich nicht alle Haralds in dieser kleinen Stadt anriefe. Schließlich kennt dort jeder jeden und so ein Mißerfolg würde sich sehr schnell herumsprechen. Ich sparte mir die Erkundigungen. Die Reaktion war zu eindeutig. Aber die schauspielerische Leistung des Verkäufers würde ich bis dahin mit gut bis sehr gut bewerten!" Und weiter schreibt derselbe Mensch: "Sie können sicher sein, wenn ich durch diese Stadt hier lauf oder fahr, sehe ich neuerdings viele Details an völlig neuen Häusern, die mir früher gar nicht aufgefallen sind und die aber auf genau die Probleme verweisen, die Paul Bossert, Konrad Fischer oder Sie darlegen, z.B. Zweischaliges Bauen usw. Bei anderen Dingen habe ich zwar früher aus dem Bauch heraus Abneigung gespürt (z.B. Fenster ohne Sprossen), aber erst durch Ihre Hintergrundinformationen Erklärungen dafür gefunden. Alle Achtung auch vor Ihrer CD. So etwas ist wirklich ein weiteres Beispiel für Kundenfreundlichkeit und Effektivität, aber auch für Ehrlichkeit." Richten Sie also Ihre Fragen gleich an mich. Richtige Antworten und erstaunlich gute Lösungen erfahren Sie, wenn ich Ihre Hauspläne sehen darf. Einfacher können sie es nicht haben. Und Dank meiner Mannschaft auch nirgends schneller. |
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