Die aktuelle Seite Über den Realitätsverlust


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Über den Realitätsverlust

Alfred Eisenschink

Der allgemeine Realitätsverlust gleicht einem Eisberg, von dem nur die Spitze zu sehen ist. Er hat weite Kreise der Wirtschaft und der Wissenschaft erfaßt: Als "Daum-Syndrom" könnte man diese neue Volkskrankheit bezeichnen.

Sektenartig und deshalb schon krankhaft werden in unserer Gesellschaft Thesen verbreitet, die jeder halbwegs gebildete Mensch als abseits jeder Realität einstufen muß. Eine vordergründige Logik und die ständige Wiederholung wirken indessen auf die Leute einschläfernd. Selbst Menschen, die sich für vernünftig halten, verlieren den Überblick, lassen sich einlullen. Dabei wären Einspruch und Protest bis zum Volksaufstand angebracht. Doch immer wieder und immer öfter werden wir hereingelegt.

"Jeder gesparte Liter Erdöl ist ein ökologischer Gewinn!" Wer diesem Satz zustimmt, ist schon hereingefallen. Jede Gruppe definiert Ökologie nach eigenen Interessen. Welche Nachteile mit der CO2-Bindung im Erdöl für Milliarden von Lebewesen auf diesem Globus verbunden waren, welche Veränderungen die ökologischen Zusammenhänge dadurch erfuhren, wissen wir nicht. Noch weniger, was sein wird, wenn das meiste Erdöl wieder zu CO2 geworden sein wird. Dabei für die Weltökologie auf Gewinn oder Verlust zu tippen, ist müßig. Für jeden Liter Erdöl, den wir seit 1972 gespart haben, zahlen wir heute das Zehnfache von damals. Die Ölförderer bekamen bis 1972 gerade einmal 25 bis 50 Cent je Barrel, verlangen heute über 30 Dollar. Ein Dollar hat 100 Cent.  Wo liegt also der Gewinn jedes gesparten Liters Heizöl für die Ökologie? Der ständig wiederholte Hinweis auf die "Endlichkeit" der Rohölvorräte ist absolut unnötig und fördert nur die Lust zu weiterer "Gewinnmitnahme" aller Beteiligten auf unsere Kosten.

Selbstverständlich könnten wir gemeinsam weniger Energie und Rohstoffe verbrauchen, und dadurch viel mehr für folgende Generationen übriglassen. Solange aber der Drittwagen der Familie für die Achtzehnjährigen zum guten Ton und die nächtlichen Discofahrten zum Gruppen-Prestige gehören sowie die Mütterkuriere zu Reit-, Tanz-, Sing-, Mal- und Party-Terminen des Nachwuchses das nachmittägliche Verkehrsaufkommen sichern, ist es mit der Erziehung zur Sparsamkeit beim Energieverbrauch nicht weit her.

Im Hinblick darauf kennzeichnet die Ökosteuer den Realitätsverlust der Politiker auf diesem Gebiet: Es will kaum einer ernsthaft sparen. Ganz ähnlich steht es mit dem "Treibhaus-Effekt". Das Kohlendioxid (CO2) wurde zuerst von der Atomkraft-Lobby als "Treibhausgas" bezeichnet. Wider besseres Wissen sollten fossile Brennstoffe von der Stromerzeugung ausgeschlossen werden. Nach Tschernobyl geriet der Atomstrom in Mißkredit, aber der Klimalüge hatten sich mittlerweile andere nutznießende Industrien bemächtigt. Wer eine Reduktion des CO2-Austoßes fordert, kann Dämmstoffe, Isolierglas, Niedrigenergiehäuser, Zwangswohnraumlüftung, Brennwerttechnik, Solarthermie, Photovoltaik, Windkraft, Blockheizkraftwerke, Hackschnitzel, Biodiesel, Wärmepumpen, Brennstoffzellen, Wasserstoffantrieb und neuerdings Kontingente für CO2-Ausstoß verkaufen. Das Billionen-Dollar-Geschäft ist auf unsere Kosten dadurch weltweit gesichert.

Der Realitätsverlust von Politik und Wirtschaft steht fest, weil globale Erwärmungen so alt sind, wie die Sauerstoffatmosphäre um unseren Erdball. Als die Wikinger vor rund eintausend Jahren die grüne Insel Grönland besiedelten, konnte selbst in Norwegen Wein angebaut werden. Es gab also bis in die jüngere Zeit der Erdgeschichte wärmere und kältere Perioden. Keine davon konnte anthropogen, das heißt vom Menschen ausgelöst worden sein.

Ob das heute als Folge der Übervölkerung der Erde möglich ist, weiß niemand genau zu sagen. Und gegen eine Vorsorge wäre nichts einzuwenden, wenn deren Wert auch nur einigermaßen glaubhaft dargestellt werden könnte. Was bewirkt eine Reduktion des CO2-Ausstoßes in Deutschland, wenn die Waldbrände des Jahres 2000 in den USA ebenso viel CO2 in die Atmosphäre jagten, wie das ganze Europa innerhalb eines Jahrs? Das ist Realität! Was bringt ein gedrosselter Straßenverkehr für 50 Millionen Deutsche Autos für das globale Klima, wenn die globale Autoindustrie alle Mühe darauf verwendet, eine Milliarde radfahrender Chinesen zu motorisieren? Auch dies gehört zur Realität. Darüber hinwegzusehen, kennzeichnet den Realitätsverlust.

Weite Kreise gutmeinender Politiker sind davon betroffen, die immerfort von den Segnungen "Alternativer Energien" schwärmen, deren Förderung aus Steuermitteln fordern und fördern. Beispiel: Windkraft- und gleichbedeutend Photovoltaik-Anlagen. Beide Techniken haben angeblich längst Wirtschaftlichkeit bewiesen. Realität ist deren finanzielle Rendite infolge des Strom-Einspeisungsgesetzes. Die Stromerzeuger müssen jedem "Einspeiser" jede Kilowattstunde mit bis zu zwei D-Mark vergüten. Ungeachtet der Einspeisungszeit in den verbrauchsarmen Mittagsstunden und der eigenen Gestehungskosten von weniger als einem Zehntel. Die Einspeiser dürfen sogar den Eigenverbrauch aus dem Netz beziehen. Ein Münchner Gymnasium machte sich medial bekannt durch ein Photovoltaik-Dach für 3,5 Millionen DM Herstellungskosten, finanziert von der Elternschaft der Schüler. Rendite der Einlage über 10 Prozent auf die Dauer von 10 Jahren! Das ist ein Finanzgeschäft, keine Umweltentlastung, und dokumentiert den Realitätsverlust der ideologisch verblendeten Initiatoren.

Der gleichen Kritik setzen sich die Solarthermie, die Hackschnitzel und Sägespäne-Pellets als alternative Brennstoffe, oder die alternativen Treibstoffe von Biodiesel über Methan bis Wasserstoff aus. Hinter jeder dieser Sparten steckt die Absicht auf ein Millionengeschäft ohne den geringsten Nutzen für uns und die Umwelt. - Leider!

Darüber, und was noch wichtiger erscheint, über positive Auswege, sofern es sie gibt, lesen Sie in einer der nächsten Folgen.

Auf welch groteske Weise menschliche Vernunft unterdrückt wird durch die gefühlsduseligen Scheinargumente für sogenannte nachwachsende Energien soll nun an einigen Beispielen gezeigt werden.

Die Solarthermie zum Wasserwärmen mit Kollektoren auf dem Dach sei inzwischen wirtschaftlich, verkünden alle Medien. Bis zu 60 Prozent der Energie könne eingespart werden. Eine subventionierte "Initiative" steuert diese Falschmeldung. Staatliche und kommunale Fördermittel fließen. Realität ist und bleibt, daß der jährliche Sparbetrag je Haus(halt) selbst bei einem Heizöl/Gaspreis von einer Mark je Liter/Kubikmeter höchstens 300 Mark erreicht und die Herstellungskosten einer Anlage durchschnittlich bei 15000,- Mark liegen. Abzüglich 3000,- Mark Fördermittel bleiben 12000,- Mark, die - ohne Geldwertschwund und Zinsverlust - erst in vierzig Jahren eingespart wären. Bis dahin ist die Anlage ein erstes Mal nach 20 Jahren und das zweite Mal genau zum Erreichen der letzten Sparrate erneuerungsbedürftig. Die verbrauchten Rohstoffe sind nur zum geringsten Teil wiederverwendbar, und für die nachkommenden Generationen verbraucht.

Anderes Beispiel: Hackschnitzelfeuerung - Ehrensache für Waldbesitzer! Holz, das nutzlos in den Wäldern faulen würde, bedeutet kostenlose Energie, mit der CO2-neutral geheizt werden kann. Ein Landwirt in meine Nähe erfuhr die Realität. Der Zentralheizkessel mit Unterschubfeuerung war mit rund 30 000 Mark die kleinste Ausgabe. Für den kostenlosen Brennstoff brauchte er ein Hackschnitzelwerk als Vorschalt-Aggregat seines Traktors. Dazu mußte ein neuer mit 120 PS Leistung angeschafft werden. Den Hackschnitzelvorrat konnte er im Haus nicht lagern und baute dafür eine Scheune an den Waldrand. Der grüne und nasse Schnitzelberg fing in der Scheune an zu gären und zu schimmeln, mußte wöchentlich mit einem Schaufellader am alten Traktor gewendet und durchlüftet werden. Weil die Hackschnitzel, wie jedes andere Holz, erst nach frühestens drei Jahren zu "Brennholz" reifen, der Landwirt weder eine derart große Scheune bauen und betreiben kann, noch solange warten will, laufen aus dem Heizkessel eimerweise Teer und Pech als Kondensationsprodukte unvollkommener Verbrennung. Der Landwirt bleibt (noch) bei der Stange. Was will er machen, hat er doch die früher im Haus kalt, ja buchstäblich eiseskalt stehenden Gesindekammern zu Ferienwohnungen ausgebaut, die mindestens temperiert werden müssen, wenn sie nicht über den Winter muffig werden und verschimmeln sollen. An den kostenlosen Brennstoff zu glauben, heißt die Realität zu mißachten. Was der Mann an Rohstoffen, an Treibstoff und nicht zu vergessen an menschlicher Energie vergeudet, spottet jedem Gedanken an ökologischen Gewinn.

Nicht anders geht es den Sägespäne-Pellets. Auch diese neue "Technologie" bedeutet nichts anderes als alte gescheiterte Technik. "Unterschubfeuerungen" sollten in den fünfziger Jahren mittelgroße Heiz- und Dampfkessel automatisieren, den Heizer einsparen. Ging alles nicht. Ein Stück Holz, größer als die vorgesehene Kohlensorte, und die Maschinerie stand, ein alter Nagel im Geschiebe und alles konnte kaputt sein. Feste Brennstoffe werden selbst pulverisiert nicht so leicht zu handhaben, wie flüssige oder gasförmige. Der Ausgangsstoff aller Holzpreßlinge, die Späne sind niemals drei Jahre gelagert, zu Brennstoff gereift, sondern nach Anfall oder Verkaufsplan geschnippselt und gepreßt. Dadurch allein werden diese Brennstoffe zu Umweltverschmutzern. Nichts mit Ökologie oder Ökonomie.

 


Der Rattenschwanz der Anschaffungen:  1. Hackschnitzelfeuerung, 2. Hackschnitzelwerk, 3. PS-starker Traktor, 4. Hackschnitzelscheune am Waldrand

 


Schaufel für Frontlader zum wöchentlichen Durchlüften der Hackschnitzel Merke: Erst in 3 Jahren würden sie zu Brennholz-Hackschnitzel reifen!

 

Auch der Biodiesel aus Rapsöl wird keine Wende bringen. 30 000 000 Tonnen Diesel werden in Deutschland jährlich verbraucht, und nur 600 000 Tonnen Biodiesel, hoch subventioniert, erzeugt. Das sind gerade zwei Prozent. Mehr geht nicht mangels Anbaufläche. Alles Hoffen kennzeichnet auch hier den Realitätsverlust.

Und diese vielfältigen Realitätsverluste werden ausgelöst durch ungezählte, gezielte Kampagnen der Desinformation, die durch Umfang und Dauer dem Normalbürger die Denkselbständigkeit entziehen. Wir alle sollen dadurch abhängig und gefügig gemacht werden bis wir, wie im Drogenrausch, jeden Blick für die Realität verlieren.

Gibt es da überhaupt einen Ausweg? Durchaus, aber nicht für alle und nicht auf allen Gebieten. Für alle deshalb nicht, weil nur wenige die Bereitschaft zur Nachdenklichkeit aufbringen. "Was alle machen, kann nicht falsch sein, und was der Staat oder die Stadt mit Zuschüssen fördern, erst recht nicht". Wer so denkt, dem kann nicht geholfen werden. Hilfe kann nur erfahren, wer bereit ist, genau das nicht zu tun, was alle (falsch) machen wollen. Es gibt neue Wege, ein Haus dauerhaft und gesund zu bauen. Mit alten Baustoffen und auf der Grundlage alter Bautradition. Es gibt auch eine neue Heiztechnik. Mit Strahlungswärme wie von der Sonne. Für gesundes Klima im Haus und so wirtschaftlich, wie nur die Natur sein kann.

Auf allen Gebieten zugleich gibt es keine Lösung, weil die Zwänge zu vielschichtig sind. Alle sogenannten Zukunftslösungen, die unseren unglaublich verschwenderischen persönlichen Verbrauch an Energie und Rohstoffen nur aus anderen Quellen decken werden, sind reine Utopien für deren Entwicklung jede Mark zu schade ist.

Bleiben Sie wachsam, wenn Ihnen geraten wird, viel Geld auszugeben, um irgend etwas zu sparen. Mißtrauen Sie allzu eingängigen Schlagworten, wie eben jenem vom "ökologischen Gewinn jedes (!) gesparten Liters Heizöl"! Horchen Sie auf bei Ratschlägen, die tatsächlich erst Ihr Geld und dann angeblich auch noch viel Energie sparen helfen.

Ebenso, wie man ein Auto vernünftig fahren kann, läßt sich mit Warmwasser und Heizenergie vernünftig umgehen. Kein Bauherr muß ein altes Haus mit Dämmstoff ruinieren, und dazu die eigene Gesundheit. Keine Baufrau muß die Torheiten der Nachbarn mit noch größeren Fenstern, oder mit noch mehr Kollektoren auf dem Hausdach überbieten. Bewahren Sie sich den Sinn für Realität. Ich weiß, es gehört Mut dazu, gegen den Strom zu schwimmen. Doch gegen den Strom die Quelle zu erreichen, macht allemal mehr Spaß, als sich ins Meer der Dummen spülen zu lassen.

 


Das Foto zeigt die Folgen der Erfahrungen, die der Hackschnitzelheizer offensichtlich inzwischen machen musste:

 

Der Vorrat an Hackschnitzeln ist deutlich verringert, dafür sind die Stapel zum Trocknen des Holzes deutlich gewachsen. Die Schnitzelberge werden nach wie vor ständig umgeschaufelt und durchlüftet. Das Holz lagert zwar "liegend und im Freien", aber die Reifebedingung "unter Dach" ist mit den wenigen Plastikplanen nicht erfüllt. Auch die Trocknungszeit von "mindestens drei Jahren" wird kaum erfüllt werden. Die Feuerungsprobleme werden dadurch nicht ansatzweise gemildert.

 

Sie erinnern sich: Es geht um das Aushärten der Naturharze im Holz. Erst wenn dieser chemische Prozeß abgeschlossen ist, liegt "Brennholz" vor, erst dann kann es in der eigenen Asche wirklich schadstofffrei verbrannt werden. In diesem Zusammenhang wird auch noch im Hinblick auf die neue "Pellets"-Masche demnächst an dieser Stelle die Rede sein.

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