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Wir dämmen uns dumm und arm
Alfred Eisenschink
Vor 20 Jahren war der U-Wert eine untergeordnete Rechengröße für Fachleute, seither wurde uns weis gemacht, davon hinge beim Bauen und Heizen der Himmel auf Erden ab, der CO2-Ausstoß, der Treibhaus-Effekt, die Erderwärmung samt Abschmelzen der Polkappen und der Anstieg der Meeresspiegel. Und wer nicht vorschriftsmäßig dämmt, besser noch etwas dicker, ist persönlich schuld an der Global-Katastrophe. Daß nichts weiter dahintersteckt als eine global angelegte Geschäftemacherei, deren Urheber uns für dumm verkaufen und buchstäblich unser Volks-vermögen einstreichen wollen, zeigt ein einziger Aspekt.
1. Fehler: Der k-Wert wurde 1929 eingeführt. Auf Prüfständen wurde gemessen, wieviel Wärme durch Mauern unterschiedlicher Dicke, durch Holz oder durch Dämmstoff strömte, wenn der jeweilige Baustoff völlig trocken war. Die Meßergebnisse wurden auf einen Quadratmeter und auf ein Grad Celsius Temperaturunterschied zwischen der warmen und der kalten Seite bezogen. Über die Summe der Abkühlungsflächen eines Hauses konnte der Fachmann damit den sogenannten Wärmebedarf berechnen und die Heizanlage entsprechend auslegen. So hieß es richtig! Heute wird der k-Wert dagegen als allein gültige Richtzahl für den Energieverbrauch eines Hauses hochgespielt.
Fakten: Es gibt keinen völlig trockenen Baustoff! Die Mauern und Wände unserer Häuser können trocken, aber auch feucht bis abgesoffen sein; nicht nur solche aus Steinen, sondern auch alle anderen. Der tatsächliche Wärmedurchgang hing und hängt immer noch in der Praxis von der Durchfeuchtung der Baustoff ab.
2. Fehler: Die Temperaturdifferenz zwischen innen und außen wurde für das Berechnen der Größe der Heizanlagen als konstant angenommen. Beispiel: 20° C innen und -18° C außen ergeben geradlinig gesehen für den Wärmebedarf den Faktor 38. Neuerdings wird der theoretische geradlinige Temperaturverlauf innerhalb von Außenwänden als gottgewollte und unveränderliche Tatsache hingestellt, damit der k-Wert als die allein maßgebende Größe für den Energieverbrauch eines Hauses hochstilisiert werden kann.
Fakten: Es ist nicht immer nacht und kalt! Tagsüber steigen die Außentemperaturen, auch im Winter. Die Sonne scheint flach und damit direkt auf die Wände unserer Häuser. Davon erwärmen sich die Wände. Ein Teil dieser eingestrahlten Wärme dringt in den Baustoff ein. Dadurch verringert sich die Temperaturdifferenz und mit ihr der Wärmedurchgang. Je schwerer das Mauerwerk um so mehr Wärme kann eindringen.
Fühlen Sie bei Sonnenschein die Temperatur eines grünen Fensterladens: Er ist heiß. Die weiße Mauer daneben ist nur handwarm, weil die Sonnenwärme in die Mauer strömt. Sie wird gespeichert, und wirkt dem Wärmestrom von innen nach außen entgegen. Diese physikalische Tatsache wird von den Dämmstrategen entschieden geleugnet. Allein der Popanz k-Wert sei für den Energieverbrauch maßgebend. Nocheinmal: der k-Wert war nur zum Berechnen der Anlagengrößen, aber niemals als Maßstab des tatsächlichen Wärmeverbrauchs eines Bauwerks gedacht.
3. Fehler: Der k-Wert läßt sich durch Dämmen verringern:
5 cm Dämmstoff bringen einen k-Wert von 0,8
10 cm Dämmstoff bringen einen k-Wert von 0,4 20 cm Dämmstoff bringen einen k-Wert von 0,2 40 cm Dämmstoff bringen einen k-Wert von 0,1 Es lohnt sich, so wird offiziell behauptet, das "Anforderungsprofil des Wärmeschutzes zu verschärfen, weil mit der Halbierung des k-Wertes jeweils eine Halbierung des Energieverbrauchs gegeben ist". Ein ungewöhnlich überzeugender Einfall! Finden Sie nicht auch? Abwarten!
Fakten: Um den Trick zu durchschauen, mit dem wir um unser Geld ohne Gegenwert gebracht werden sollen, brauchen Sie 15 Zehnpfennigstücke und acht Zehnmarkscheine. Legen Sie die Münzen in Zweierreihe vor sich hin. Diese verkörpern symbolisch den k-Wert und nach offizieller Redensart den entsprechenden Energieverbrauch. Mit dem ersten Zehnmarkschein, den Sie daneben legen, zahlen Sie symbolisch die Kosten der ersten 5 cm Dämmstoff. Dafür dürfen Sie 8 Groschen als vermeintliche Ersparnis von rund 50 Prozent Heizenergie einstreichen. Der zweite Zehnmarkschein für die zweiten 5 cm Dämmstoff halbiert den Energieverbrauch abermals. Nehmen Sie dafür die Hälfte der ersten Sparrate weg. Richtig, Sie bekommen nun nur mehr 4 Stück! Der dritte und der vierte Zehnmarkschein decken die Kosten der nächsten Dämmstoff-Doppelschicht. Das bringt noch 2 Groschen Ersparnis, und mit den nächsten vier Zehnmarkscheinen für die weitere Halbierung des k-Wertes gewinnen Sie sage und schreibe nur noch einen einzigen Groschen. Haben Sie nun gesehen, wie sehr sich verstärkte Dämmschichten "bezahlt machen"? Bitte, glauben Sie niemandem, der behauptet, an Ihrem Haus sei das alles ganz anders! Die Zehnmarkscheine entsprechen dort für die Kosten der Dämmerei mehreren Tausendern und die Groschen, wenn es hoch kommt, vielleicht Markstücken an Ersparnis.
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Folgen: Das traurige Ende nicht nur dieses Kapitels, sondern dieser irregeleiteten Politik führt in zweierlei Hinsicht in die Pleite. Wir werden unser Geld ausgeben, das private und vieles aus dem Steuersäckel, aber ohne jeden ökologischen Nutzen. Eine unvorstellbare Menge an Rohstoffen wird für die Dämmerei verbraucht, dazu mehr Energie für deren Verarbeiten, für Transporte kreuz und quer durchs Land. Und unsere Nachkommen werden nicht nur mit leeren Händen dastehen, sondern vor Bergen von Schutt aus verrotteten Dämmstoffen, vor abbruchreifen Niedrigenergiehäusern, vor Totalschäden an ungezählten Fassaden. Für die Sanierungsaufgabe werden unseren Nachkommen das Geld und eben diejenigen Rohstoffe fehlen, die wir in blindem Gehorsam verschleudert haben.
Ökologisch denken heißt, diese Zusammenhänge erkennen. Ökologisches Handeln muß darauf gerichtet sein, daß insgesamt möglichst wenig, schon gar nichts unnütz verbraucht wird, worüber die Lebenden jeweils verfügen, und möglichst viel für die Nachkommenden übrig bleibt. Ausufernder Verbrauch an Dämmstoffen vernichtet Rohstoffe und Energie. Gedämmte und dichte Häuser machen uns krank. Beides sind seit Jahren erkennbare Tatsachen. Dennoch finden sich immer wieder Mehrheiten im Bundestag, um immer wieder dem letzten Fehler einen neuen draufzusetzen. Es kann nicht sein, daß die Mehrheit der Abgeordneten in Berlin dieses Wirken mancherlei Lobby nicht wenigstens bedacht, wenn nicht längst durchschaut hat. Warum aber dann kein Widerstand? Kann man wirklich in der Wolle so grün, so schwarz, rot oder gelb gefärbt sein, daß kein Hausverstand mehr greift? Verehrte Frau Abgeordnete, gewählter Herr Abgeordneter, könnte die Ursache unserer Politiker-Verdrossenheit nicht sein, daß Sie zu vieles mitmachen, uns zu vieles weis machen, anstatt vorbildhaft zu wirken? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, was mit Ihnen und mit Ihren Pfründen geschieht, wenn das Wahlvolk demnächst aufmuckt, mit dem Aufschrei: "Schluß mit Lügen!" - Erinnern Sie sich noch an die Rufe "Wir sind das Volk!", und wie schnell danach alles vorbei war? Mit Lügen und Pfründen! Wer mit dem Denken anfängt, kann nicht mehr aufhören. Haben Sie keine Angst davor. Schlimmstenfalls werden Sie ein klügerer Mensch. Das zu verhindern, ist derzeit das Streben der Dämmstoff-Industrie und ihrer Lobby.
4. Fehler: In allen Medien wird berichtet, verstärkter Wärmeschutz sei wirtschaftlich. Schließlich lassen sich mit nur 5 Prozent höheren Baukosten - gemeint ist für die Dämmerei - bis zu 30 Prozent Heizkosten einsparen. So verkünden es alle hohen Politiker, wie zum Beispiel der Bayerische Innenminister, Herr Beckstein.
Fakten: Ein Eigenheim kostet heute ohne Baugrund durchschnittlich 400 000 DM. 5 Prozent davon sind 20 000 DM. Der realistische, nicht der über die k-Wert-Ideologie schöngerechnete Heizenergieverbrauch erreicht jährlich ohne den Aufwand für Warmwasser im Haus rund 2000 l Heizöl oder m³ Erdgas. Davon 30 Prozent sind 600 l oder m , und bei einem Preis von 50 Pfennig je Einheit ganze 300 DM jährlich.
Die 20 000 DM für die höheren Baukosten haben Sie dann ohne Zins und Geldwertschwund in (20 000 : 600 =) 66 Jahren schon wieder im Beutel. Eine wahrhaft ministerliche Rendite! Werden Zins und jährliche Teuerung eingerechnet, kommt kein gutgläubiger Dämmer je auf seine Kosten. Die viel geschmähte "gewaltige Energieverschwendung", die es angeblich durch verschärfte Dämmvorschriften zu vermeiden gilt, entpuppt sich für den Einsichtigen als wirtschaftliche Notwendigkeit. Und zwar allen Protesten aller Umweltschützer zum Trotz, weil der Dämmstoffeinsatz nur ökologische Probleme bringt. Doch der Reihe nach!
5. Fehler: Supergedämmte Häuser werden erst dann zu Niedrigenergie(verbrauchs)häusern, wenn sie auch luftdicht sind. Durch undichte Fenster zieht erwärmte Raumluft ab. Das führt zu sogenannten Lüftungswärmeverlusten. NEH (=Niedrigenergiehäuser) müssen daher auf Dichtheit geprüft werden. Das geht ganz einfach durch die "Blower-Door-Messung". Dafür gibt es Zuschüsse.
Fakten: Der natürliche Luftwechsel unserer Häuser durch normal dichte Fenster bedeutete jahrzehntelang, und noch länger, den Austausch verbrauchter, verschnaufter und verstänkerter Atemluft gegen frische. Damit konnten Menschen leben. Luftdichte Räume verträgt der Mensch nicht, weil sich darin vom äußeren Gang des Luftdruckes abweichende Drücke einstellen. Das drückt auf die Ohren und Menschen reagieren sehr empfindlich darauf; je kleiner die Räume und je größer die Druckwellen, um so stärker. Schon das Husten eines anderen, das Öffnen oder Schließen einer Türe können stören. Zur Abhilfe reißen die Betroffenen Fenster auf, lassen diese auch bei Kälte in Kippstellung offen. Das hilft gegen den barometrischen Abschluß, erhöht allerdings den Heizenergieverbrauch auf das Dreifache.
In luftdichten Häusern schimmelt es gewaltig. Die stehende Luft wird feucht und feuchter. Von atmenden Menschen, aus Kaffee-, Wasch- und Spülmaschinen, von trocknenden Handtüchern und aus Blumentöpfen, hier besonders aus Hydrokulturen. Weil unsere herkömmlichen Heizanlagen die Raumluft stärker erwärmen als die Wände, kondensiert aus der dämpfigen Raumluft Wasser unsichtbar an den kühleren Wänden. Und dieses unsichtbare Wasser läßt den Schwarzschimmel sprießen; erst als kleine schwarze Punkte, dann als geschwärzte Flächen. In verschimmelten Räumen ist die Luft voller Schimmelsporen. Das kann man riechen. Die Sporen lösen Allergien aus, fördern Asthma und schlimmere Krankheiten. Trotzdem müssen NEH luftdicht sein. Geprüft wird mit Blower-Door-Messung. Der Unfug kommt dem Namen nach aus Amerika. Alle Fenster werden geschlossen, ein Ventilator (Blower) in der Haustüre (Door) saugt Luft ab und der entstehende Unterdruck im Haus wird (durch Messung) erfaßt. Liegt der Meßwert unter 50 Pascal, gibts Zuschüsse. Als Schmerzensgeld, oder wofür? - Bitte fragen Sie nicht, aber überlegen Sie gründlich, ob Sie sich auf den Unfug einlassen.
6. Fehler: Luftdichte Niedrigenergiehäuser müssen mit Lüftungsanlagen ausgestattet werden. Diese gibt es mit Wärmerückgewinnung, automatisch gesteuert nach dem CO2-Gehalt oder nach der relativen Feuchte verbrauchter Luft. Diese in Deutschland im Gegensatz zu Schweden noch unbekannte Technik wird ebenfalls durch staatliche oder kommunale Fördergelder wirtschaftlich gemacht.
Fakten: Zwangswohnraumlüftung hieß diese scheinbar konsequente Lösung für das Lüftungsproblem der luftdichten Häuser in den Anfängen. Weil sich mit Zwang nichts unter die Leute bringen läßt, benannte man das totgeborene Kind um in "Kontrollierte Wohnraumlüftung", KWL, und mit Wärmerückgewinnung in KWLR. Die Hersteller wollten die Technik vorschreiben lassen, aber trotz vieler Mühe der Lobby gibt es bis heute keine rechtliche Grundlage dafür. Gottseidank!
Die Systeme verändern nicht nur den Luftdruck, je nach Betriebszustand, sondern die Ventilatoren brummen. Das mag kein vernünftiger Mensch. Durch dem Umtrieb wird die Raumluft mit Staub beladen. Der macht spröde Lippen und kratzigen Hals. Bei unterschiedlicher Betriebsweise lagert sich in den Luftkanälen dieser Staub teilweise ab. Für Schimmelsporen und Bakterien gibt die Staubschicht idealen Nährboden ab. Nicht nur etwaige (nutzlose) Filter, sondern auch die Lüftungsrohre müßten regelmäßig gereinigt werden. Das sind aber Wellrohre, die sich nicht reinigen lassen. In Schweden, das uns gern als Musterland für allerlei Experimente angedient wird, wurden die Keimschleuderanlagen bereits zu einem Problem für die Volksgesundheit. Hierzulande soll eben einfach ein "organisierter Kundendienst" die unmögliche Aufgabe erledigen, sagen die Hersteller. Basta!
Die angeblich kontrollierte Frischluftzuteilung für alle Räume kostet mehr Energie für den Betriebsstrom als jemals durch die Wärmerückgewinnung gespart werden kann. Dies sind bei sauberen Neuanlagen laut Prüfstandswerten maximal 60 Prozent (!) der Wärme aus der Abluft, die der Zuluft wieder zugeführt werden. 60 Prozent klingen wieder nach "absoluter Mehrheit", bleiben aber für den Geldbeutel des Bauherrn ein Nichts. Die Anlagen kosten in der Verkaufsprospekten-Qualität knapp 30 000 DM, unbrauchbare Rechtfertigungs-Miefquirle mit Handsteuerung (!) noch 6 000 DM.
Folgen: Alles verstärkte Dämmen und Dichten schadet in erster Linie gesundheitlich. Außerdem zahlt jeder vorschriftengläubige Bauherr dabei drauf. Sie können die Dinge drehen und wenden, wie sie wollen: Das uns angedrohte "verschärfte Anforderungsniveau" erzwingt den Einsatz von unvorstellbaren Dämmstoffmengen, die unsereinem und der Umwelt nichts einbringen. Eine ausgemachte Geldschneiderei zu Gunsten der Dämmstoffindustrie!
Immer wieder fragen angehende Bauherrn nach dem Besten Dämmstoff. Die richtige Antwort darauf lautet: Das ist der, den Sie weglassen. Das steht in keiner Zeitung, in keinem Bauratgeber, auch kein anderes "Medium" sagt die Wahrheit. Wir werden manipuliert von den k-Wert-Ideologen, von unwissenden und unbelehrbaren Politikern belogen. Wir sind dafür, daß damit endlich Schluß gemacht wird. Häuser mit Zukunft sind gefragt, solide und beständige, keine Wegwerfschachteln für 10 oder 20 Jahre. Lesen Sie weiter über den verordneten Dämmwahnsinn:
7. Fehler: Die Leichtbauweise energiesparender Häuser bringt optimale Dämmung bei dünnen Wandstärken. Dies vergrößert die Nutzfläche. Außerdem werden die Baukosten durch verkürzte Bauzeit billiger.
Fakten: Finanzielle Vorteile, wie höhere Mieteinnahmen oder kürzere Zwischenfinanzierung sollen über bautechnische Probleme hinwegtäuschen. Allein die Vielfalt der "Zutaten" dieser schnellen Leichtbaustoffe, die Platten und Matten, die Folien und Dichtbänder, die Klebstoffe und Anker, nicht zu reden von dem eher leichtfertig riskierten Verbund von Holz, Plastik, Metallen und auch Glas, kann im Hinblick auf Reaktionen unter dem ständigen Warm-Kalt-Naß-Trocken-Wechsel nicht vorausschauend beurteilt werden. Damit sind Bauschäden unvorstellbaren Ausmaßes programmiert, die ganz schnell die Anfangsersparnisse mehrfach übersteigen können. Beim Bauen kommt billig immer teuerer als richtig.
8. Fehler: Es gibt auch Ziegel mit niedrigen k-Werten, die massive Mauern und energiesparendes Bauen ermöglichen.
Fakten: Weil die Ziegelindustrie den k-Wert-Zug nicht aus ihrem Bahnhof fahren lassen wollte, sprang sie auf. Mit porosierten Ziegeln konnte sie mitmachen und niedrige k-Werte anbieten. Die Ziegeleien übertrumpften sich mit immer "besseren", zwangsläufig leichteren Steinen. Das Raumgewicht der Steine schrumpfte von soliden 1,8 (Kilogramm je Kubikdezimeter) über 1,2 und 0,8 bis auf 0,5. Unter 1,0 sind das bereits "schwimmende Steine"; bei 0,5 mit ähnlicher Konsistenz wie alter Zwieback. Diese Steine sind auch nicht mehr kompakt, wie der Mauerstein von ehemals, sondern mit Luftkammern durchzogen, die nur mehr millimeterdünne Stege trennen. Und großformatig sind die aufgeschäumten Ziegel ebenfalls geworden: "D16" heißt so ein Brocken, und der Maurer setzt damit auf einen Schlag soviel Mauer wie früher mit 16 Ziegeln. Eine tolle Sache? - Wirklich, wie im Tollhaus!
Die vielen Vorteile des gebrannten Tons, die den Mauerziegel durch 8 Jahrtausende zum besten Baustoff gemacht hatten, wurden dem k-Wert geopfert. Hinter den Schaumziegeln hören Sie den Straßenverkehr fast wie davor, und das Ticken der Wanduhr in der Nachbarwohnung. Die Wärmespeicher-fähigkeit solider Mauern ist auch verschenkt. Und für die Wärmeschutz-verordnung 95 reicht der niedrigste k-Wert kaum noch aus. Damit kommen wir zum
9. Fehler: Massive Mauern werden mit dem "Wärme-Dämm-Verbund-System", kurz WDVS, zu optimalen Energiesparern. Dazu werden Dämmstoffplatten durch Klebstoffe mit den Mauern verbunden und die Platten werden mit >Wärmedämmputzen gedeckt. Die Dämmputze weisen auch noch Wasser und Schmutz ab.
Fakten: Die dafür "geeigneten" Dämmplatten bestehen aus Polistyrol-Hartschaum. Der Stoff ist brennbar, sehr leicht sogar, damit verbrennbar, wenngleich nicht "recyclebar". Wenn der Klebstoff hält, dann unlösbar, das heißt die Platten können nicht schadlos abgenommen werden. Die Plattenstöße werden überspachtelt und mit Gewebe verstärkt. Die Stöße zeichnen sich sehr schnell mit Verfärbungen und Rissen im Dämmputz ab. Viele WDVS-Fassaden bekommen bereits nach wenigen Wochen grünlich graue Beläge; Algen und Schimmel, nichts weiter. Kunstharz-Putz und Dämmstoff kühlen nachts stark ab, daran schlägt sich Tau aus der Luft nieder, genau wie auf grünen Wiesen. Die Dauerfeuchte lieben Algen und Schimmel. Regenwasser kann durch unendlich viele kleine Risse eindringen, die durch Wärmespannungen und Schwund der Dämmplatten im Dämmputz entstehen, findet aber keinen Weg mehr durch die noch deckenden Kunstharzschichten heraus. Wasserdampf, der durch das warme innere Mauerwerk nach außen drängt, kondensiert an den kalten Dämmschichten. Am Ende hilft das WDVS dem Haus soviel, wie Ihnen ein durchnäßter Wintermantel. Den könnten Sie wieder trocknen lassen, das WDVS müssen Sie abschlagen und entsorgen; für mehr Geld übrigens, als es gekostet hat. Einige Millionen Quadratmeter sind in Deutschland dafür schon reif.
Folgen: Die k-Wert Ideologie ist in eine absolut falsche Denkweise geraten. Der geradlinig gedachte Vorteil - doppelte Dämmschichtdicke führt zum halben k-Wert, und dieser zum halben Energieverbrauch - ist in der Praxis nicht gegeben. Dämmschichten lassen Sonnenwärme nicht eindringen, leichten Baustoffen fehlt die Fähigkeit der Speicherung eingestrahlter Sonnenwärme. Dies war durch Jahrhunderte kostenlose Energie, und das ist sie immer noch für massive, ungedämmte Mauern. Die Dämmstoffindustrie hat kein Interesse, diese Fakten gelten zu lassen. Großangelegte Aktionen, gestützt von Fachleuten, die sich dafür hergeben, behaupten immer wieder, nur die Superdämmerei brächte dem Bauherrn das große Glück und der Umwelt Vorteile.
Wägen Sie das in Ruhe für sich ab. Und denken Sie nach, wieso Schlösser, Kirchen, Wirtshäuser der reichen Brauherrn, Rathäuser, Schulen und alles was Bestand haben sollte durch Jahrtausende massiv gemauert wurde. Der modische Leichtbau, auch noch luftdicht abgeschottet, mit Glasfassaden aufgerissen, wird der Sondermüll der nächsten Jahrzehnte.
>Wollen Sie dabei wirklich mitmachen, oder doch mit Verstand vernünftig bauen? Das kommt billiger, wenn Sie es richtig machen.
Der Dämmwahn hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht, steht aber dicht davor. Um das große Dämmstoffgeschäft für das nächste Jahrzehnt zu sichern, soll nun der Althausbestand a la Christo verpackt werden; energetisch völlig unsinnig, aber höchst gewinnbringend. Der Kunde, das sind Sie, verehrter Hausbesitzer, muß bluten.
10. Fehler: Der immer noch ungedämmte Althausbestand verschleudert Heizenergie und erhöht den CO2-Ausstoß. Die neue, angedrohte Energie-Einsparverordnung "EnEV" schließt daher den Bestand ein. "Recht so!" tönt Greenpeace, "das hilft der Umwelt und beschert mindestens 400 000 neue Arbeitsplätze".
Fakten: Arbeitsplätze wurden zum Reizwort mit Währungscharakter. So wichtig sind neue Arbeitsplätze, daß dagegen kein Einwand zählt. Schon vor 30 Jahren prägten US-Sales-Promoter dafür den Ausdruck "Killer-Phrases", Phrasen mit denen man jede Gegenrede augenblicklich abwürgen kann. Lassen wir die Greenpeace-Laute aber langsam verklingen: 400 000 Arbeitsplätze kosten jährlich 40 Milliarden DM an Löhnen und Gehältern. Jeder Beschäftigte muß mindestens in der Höhe seines Lohnes oder Gehalts zusätzlichen Umsatz bringen, für die Arbeitsplatzkosten einschließlich der Abgaben. Das geht über den eingebauten Dämmstoff. Der gesamte Aufwand muß also jährlich 80 Milliarden DM erreichen.
Aus meiner beruflichen Praxis schätze ich, daß 4 Mann in einer Woche eine Wohneinheit sanieren, das heißt verpacken können. Würden alle 400 000 neuen "Greenpeaceler" damit beschäftigt, gäbe das 100 000 sanierte Wohneinheiten pro Woche und damit bei 40 Arbeitswochen 4 Millionen Wohneinheiten pro Jahr. Und jede davon könnte nach der Prozentrechnerei des 4. Fehlers 360 DM jährlich einsparen, alle zusammen also 1,44 Milliarden DM. Dies bedeutet ganze 1,8 Prozent des Aufwandes, oder nach dem Mehrkosten-Nutzen-Verhältnis (8o:1,44=) 55,55, soll heißen in 55 Jahren ist der EnEV-Aufand für den Althausbestand "eingespart".
Bis dahin wird der Dämmstoff mehrere Male von den Hauswänden gefallen sein. Die ehemalige DDR ist an solchen dubiosen Finanzierungen kaputt gegangen. Und nun zum Althausbestand selbst! Damit sind nicht nur die alten Bürgerhäuser der Großstädte gemeint, sondern alles was vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 gebaut wurde, oder danach nicht "vorschriftsmäßig" gedämmt worden ist. Stellen Sie sich die Vielfalt vor: Stuckfassaden, solche mit Türmchen und Erkern, die Wohnsilos der sechziger und siebziger Jahre mit den Balkonen, Glasbausteinen und Kuppeln, mit Betonrippen, Simsen und Lisenen. All das soll nun außen gedämmt werden. Mit WDVS! - Wenn nicht außen, dann eben innen! Doch das geht nicht wegen der damit verbundenen Bauschäden - die Gründe bieten Stoff für mindestens drei "Fehler", die später behandelt werden.
Was sich die EnEV Austüftler alles zum Wohle der Dämmstoffindustrie einfallen ließen, zeigt das hoffentlich schon wieder gestorbene "Bauteil-Verfahren". Danach muß der k-Wert des gesamten Bauwerks klein genug sein. Können einzelne Bauteile nicht entsprechend gedämmt werden, müssen andere eben zum Ausgleich mehr Dämmstoff aufgepackt bekommen. Beispiel Stuck- oder Balkon-Fassade zu bekleistern, geht nicht, dann muß auf die oberste Decke eine Lage mit 30 cm und unter die Kellerdecke ebenfalls. Auf dem Dachboden sind Speicherabteile, die müssen weg, und der brennbare Dämmbelag muß unbrennbar abgedeckt werden. Na und? - Unter der Kellerdecke hängen Rohrleitungsbündel für Gas, Wasser, Abwasser und Heizung! Die müssen weg! Der Keller wird dann aber auch zu nieder für normalwüchsige Menschen. Was ist wichtiger, die eine oder andere Beule an dem einen oder anderen Kopf, oder der CO2-Ausstoß und die Arbeitsplätze nach Greenpeace? Na also!
Aus den Fakten zum 5. Fehler wissen Sie, daß die Spartheorien der Dämmstrategen praktisch kaum zur Hälfte erreicht werden, und die Produktivität der 400 000 Leute ist sehr optimistisch angesetzt. Was bleibt also vom Aufwand der 80 Milliarden DM? - Ein Loch im Volksvermögen, das sich für die nachkommenden Generationen vielleicht in 100 Jahren erst wieder füllt. Vielleicht!
11.Fehler: Zur Sicherstellung der vorgeschriebenen Dämmpraxis wird der "Energiepaß" für jedes Haus eingeführt. Darauf steht der nach EnEV errechnete Wert des Jahres-Energieverbrauchs in kWh/m², und zwar auf 0,01 , also auf die zweite Stelle nach dem Komma genau. Der Energiepaß ist Mietern oder Käufern vorzulegen. Übersteigt der tatsächliche Heizenergie-Verbrauch die Werte im Energiepaß, kann der Mieter einen Mangel wegen "Nichteinhaltung verordneter Verbrauchswerte" rügen und bei Gericht klagen. Darüber können Sie als Besitzer eines Eigenheims mit Einliegerwohnung, Baujahr 1970, schon einmal nachdenken!
Fakten: Vorab zu der zweiten Stelle hinter dem Komma: 0,01 kWh entsprechen 1 Milliliter Heizöl. Bei einer Wohnung von 150 Quadratmeter werden daraus 0,15 Liter Heizöl (für Gasheizer 150 Liter oder 0,15 Kubikmeter Erdgas); wohlgemerkt im Jahr! Diese überkanditelte Genauigkeit kennzeichnet deutsche Gründlichkeit?.- Eher wohl Wichtigtuerei, die mit einer Scheingenauigkeit so etwas wie Unfehlbarkeit suggerieren soll. Der Verbrauchswert des Energiepaßes ist nicht für Ihr Haus in Flensburg, auf dem Feldberg, in Freiburg oder in Hof berechnet, da gäbe es Unterschiede bis mehr als die Hälfte nach oben und unten, sondern "standortbereinigt" für Würzburg. Fragen Sie nicht warum! Vorausgesetzt wird außerdem ein Normverhalten der Nutzer. Ohne beliebig geöffnete Fenster, etwa weil die Nutzer frische Luft atmen, oder auch den Zigarrenrauch verdünnen wollen. Ohne Rücksicht, ob ältere Menschen wärmere Räume lieben oder gar brauchen. Allein das Lüften kann den Energiepaß-Verbrauchswert auf das Dreifache anheben! Als Vermieter haben Sie nicht die geringste Chance, auch nur einen Mieter auf irgendein EnEV-angepaßtes Verhalten festzulegen. Das bleibt seine Sache und die Dämmerei samt Energiepaß die Ihre. Punkt! - Steht in der EnEV. Die juristische Bedeutung, die dem Energiepaß zugeordnet wird, soll Sie als Bauherrn oder Vermieter unter Druck setzten.
Aber welcher Tummelplatz wird hier für Prozeßhansel eröffnet? Sachverständige und Rechtsanwälte werden ihre Freude daran haben.
12. Fehler: Die Nutzer müssen eben das Nutzen lernen! Im Expo-Stadtteil Kronsberg wurde das vorgemacht: In "Indoor-Fachseminaren" bringt ein "Energie-Coach" den Bewohnern mit einer "Gebrauchsanleitung" das "Wohnen in einem Niedrigenergiehaus" bei. "Mit unterschiedlicher Resonanz", räumt der berichterstattende Energieberater in den VDI nachrichten vom 28. April 2000 ein.
Fakten: Nutzer, vor allem wenn sie Mieter sind, können tun und lassen was sie wollen. Alle Versuche von Vermietern und selbst größter Vermieter-Organisationen, ihren Mietern Lüften oder Heizen, etwa zum Vermeiden von schimmeligen Wänden in "Hausordnungen" oder auch in Mietverträgen vorzuschreiben, sind vor allen Gerichten gescheitert. Da ist nichts zu machen. Andererseits ist längst bekannt, daß selbst sparwütige Zeitgenossen als Hausherren nicht ansatzweise jene Verbrauchswerte erreichten, die den Erwartungen aufgrund der Ausgaben für das Niedrigenergiehaus entsprochen hätten. Wärmebrücken im Bauwerk, die infolge höherer k-Werte Wärme nach draußen lassen, von der Dämmung ausgesperrte kostenlose Sonnenwärme, Luftlecks an Bauteilen, oder auch nur zeitweise höheres Wärmebedürfnis und eben das unabänderliche Frischluftbedürfnis heben den tatsächlichen Verbrauch. Und weil der Mensch von heute den Lebenszweck nicht ausschließlich im Verzicht, im Frieren und Entbehren sieht, macht er es sich bei doppeltem Verbrauch wenigstens halbwegs gemütlicher. "Frieren tun nur die Armen und die Dummen!" sagte man uns in der Schule, wenn einer die Handschuhe vergessen oder verloren hatte. Aber Vorsicht, wenn Sie es sich nicht als Hausherr gönnen, sondern die Mieterin als Hausfrau es sich gemütlicher macht und die Energiepaß-Zahlen verdoppelt, sind Sie der zahlende Dumme.
Folgen: Die richterlichen Urteile werden die einen zu Lottogewinnern machen, andere werden sich ausgeplündert fühlen. Die gesamte verordnete Dämmerei hat nichts mit Umweltschutz zu tun. Die Vorräte der Welt werden weiter ausgeplündert und der Bürger wird geschröpft. Eine kurzsichtige, aus Unwissenheit und Desinteresse irregeleitete Politik richtet unvorstellbaren Schaden an. Wollen Sie dabei mitmachen? Der unbedarfte Häuslebauer, der nach Stammtischgerede lediglich gege eine imaginäre Konkurrenz oder auch gegen eine reale Nachbarschaft auftrumpfen will, wird den Sinn meines Widerstandes gegen falsche Verordnungen kaum begreifen. Meinen Lesern kann ich aber durchaus einen Gedanken zumuten: Eine typisch deutsche Willfähigkeit hat nicht nur den Nationalsozialismus ermöglicht und die DDR. In abgeschwächter Form ist sie die Basis einer Vorschriftengläubigkeit und des hinreichend bekannten, leider zu wenig bedachten vorauseilenden Gehorsams. 1932 geboren, und nach einer 45 Jahre währenden Berufstätigkeit, in der ich mir meine geistige Unabhängigkeit und eigenständiges Denken im Interesse meiner Kundschaft bewahrt habe, erlaube ich mir dieses Urteil. Die Profitstrategen verpassen uns eine Unfreiheit, die zu ertragen wir alle nicht mehr nötig haben. Die Dämmstoffindustrie und viele andere nutzen unser aller Bereitschaft zu aktivem Umweltschutz und ersinnen pausenlos neue Vorschriften; alle mit dem Ziel bequemer Geschäftemacherei.
Lassen Sie sich die Freiheit nicht nehmen, richtig zu handeln! Es gibt nichts Gutes im Falschen (Erich Loest).
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