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Ärgerliche Einfachheit
Alfred Eisenschink Meine Sache ist hinschauen und nachdenken. Was dabei herauskommt, beschreibe ich bisweilen. Und das läuft meist auf viel Einfacheres hinaus. Unbeteiligte freuen sich darüber, Betroffene ärgern sich. Wen wundert das? Ein jüngerer Berufskollege will in einem 20-Zimmer-Haus aus der Gründerzeit die Rolläden, die Sicherung der Türen und Fenster, das Licht, und weil der zentrale Computer noch viel mehr kann, auch die einzelnen Heizkörper separat steuern; abhängig von der Tageszeit, der Jahreszeit und der Witterung. Alles "vorprogrammiert"! Selbstverständlich muß die Heizanlage entsprechend verästelt ausgelegt werden. Vier Etagen-Verteiler und -Sammler, daran jeder Heizkörper eigens angeschlossen. Jeder mit einem Motorventil und mit elektrischer Zuleitung; Schwachstrom für den Fühler, Starkstrom für den Antrieb. Wechselnde Außentemperaturen, wechselnde Pumpenleistung, wechselnde Aufheiz- und Auskühlzeiten, wechselnde Heizwassertemperaturen. Alles muß dicht sein, richtig angeschlossen, richtig einreguliert, richtig programmiert. Alles machbar! Man nennt das "Gebäude-Atomation".
Vom Handy im Auto aus, kann man das Badezimmer für die Ankunft hochheizen! Steht in einer Vorteilsliste dieser Technik. Aha, aber warum ist ausgerechnet das Badezimmer ungeheizt, wenn der Mensch im Auto fährt? So ein Badezimmer hat an der Heizleistung einer Wohnung vielleicht ein Zwanzigstel Anteil. In der Übergangszeit davon kaum die Hälfte. Und davon wiederum kann durch Abschalterei kaum eine Hälfte eingespart werden; insgesamt also ein Achtzigstel von vielleicht 10 kW des Anschlußwerts des Hauses! Das wären 125 Watt. Und darauf kommt es dem Luxushausbesitzer mit dem Handy im Auto an? Oder geht es um die CO2-Emission von 125 Watt Heizenergie? Oder ist das ganze doch nur eine verkomplizierte Spielart des Machbarkeitswahns? Was läuft, wenn es ein Mensch in einem Zimmer wärmer oder kälter will, wenn ein Motorventil hängt, wenn Luft in der Heizleitung ist...? Völlig müßig, auch noch darüber nachzudenken. ![]() Der Einbau umfangreicher Kontroll-Instanzen in moderne Haustechnik ist vom Ansatz her zweifelsfrei richtig. In Großbauten, wie Krankenhäusern, Bürokomplexen und ähnlichen Objekten vielleicht schon unumgänglich. Aber im Einfamilienhaus, oder wie im Beispiel der Gründerzeitvilla? Wenn es schon möglich ist, die Verriegelung von Fenstern und Türen zu überwachen, soll und darf das System auch ein "vergessenes" offen stehendes Fenster melden, vielleicht sogar einen Einbruch samt Lokalisation des Tatorts. Zerstreuten Zeitgenossen mögen Hinweise auf laufende Waschmaschinen oder eingeschaltete Elektroherde hilfreich erscheinen. Die Frischeier- oder Bierflaschen-Bilanz im Kühlschrank mit automatischer Nachbestellung beim Lieferanten weist aber schon eher auf ein Verwechseln von aufdringlichem Luxus mit wirklicher Lebensqualität hin. Wenn Götz George von der Yacht am Mittelmeer aus die Putzfrau ins Klappbett quetscht, wie als Werbespot(t) verbreitet, ist der Blödsinn mit unfreiwilligem Humor öffentlich dokumentiert. Angeblich steckt ein Billionenmarkt mit UMTS dahinter. Bitte sehr! Wird nun aber das eingangs erwähnte Abschalten einzelner Heizkörper im Rahmen dieser Computer-Technik ermöglicht und auch noch mit einer Energiespar-Möglichkeit verbrämt, zeugt das von komplexem Unverstand. Ein Haus oder eine Wohnung empfinden wir nur dann als angenehm warm, wenn alle Speichermassen mit Wärme aufgeladen sind. Das erreichen wir allein durch mäßiges Durchheizen. Ständiges Abschalten und Hochheizen verschlingt Energie. Alle Einrichtungen, die dazu anreizen, wie Thermostatventile, Heizkostenzähler, alle Regler mit Abschaltphasen bis hin zur programmierten Nachtabsenkung einer Heizanlage verschleudern Energie, verteuern den Betrieb durch die Anschaffungs-, Abrechnungs- und Wartungskosten. Die Anlagen werden störanfällig und unübersichtlich. Der Energieverbrauch könnte ohne dieses vorgeschriebene Zubehör um mindestens ein Zehntel und die Betriebskosten bis zu einem Drittel gesenkt werden. Selbstverständlich haben sich die Bundesbürger an den komplizierten Aufwand gewöhnt. Die Medien haben das unsinnige Abschalten als unerläßliche Pflicht eingetrichtert. Die einschlägigen Industrien sähen im Wegfall der Vorschriften den totalen Ruin, verlangen nicht nur den Fortbestand, sondern fordern immer mehr Komplikation. Aber wohin kommen wir, wenn diese Leute immer nur alles besser machen wollen, aber kein Mensch endlich etwas richtig macht? Wir wollen leben. Dazu gehört Wohnen und das geht nicht ohne zu heizen. Das Leben muß Vorrang behalten. Weder eine scheinbare Sicherheit durch komplizierte "Hausüberwachung" noch eine falsch verstandene Automatisiererei aller Haus- und Heiztechnik dürfen sich vordrängen. Deshalb ziehe ich bei meinen Heizsystemen die Einfachheit vor. Alles was nötig ist, muß sein, aber kein Teil zuviel. Eine Heizanlage, die 20 Jahre und mehr einwandfrei läuft, unauffällig und sparsam, ohne Verschleiß und Reparatur, mit allem Heizkomfort bedeutet Lebens- und Wohnqualität. Davon wollen wir künftig wieder mehr haben und das erreichen wir durch weniger Komplikation auf allen Gebieten. Auch wenn diese Einfachheit noch von vielen Komplikationsaposteln als ärgerlich gesehen wird. Lesen Sie dazu als kleinen Beitrag die Antwort 8 aus meinen 100 Antorten auf aktuelle Fragen:*** 8. Frage: Wieso tasten Steuerungen für Heizleisten-Systeme die Rücklauf-Temperatur ab, während alle anderen den Vorlauf abtasten? Antwort: Der Vorlauf hat sich nur aus alter Gewohnheit der Heizungsleute als Regelgröße ergeben, nicht aus technischer Notwendigkeit. Im Gegenteil! Es erwachsen daraus sogar erhebliche betriebstechnische Nachteile. Wählt man dagegen den Rücklauf als Regelgröße für die Kesselsteuerung, so wirkt die Materialmasse der gesamten Heizanlage zusammen mit dem Wasserinhalt wie ein puffernder Wärmespeicher. Kurz aufeinanderfolgende Brennerstarts werden zu langen Laufblöcken zusammengefasst. Weniger Brennerstarts bedeuten geringeren Schadstoffauswurf, weniger Kondensation an kalten Heizflächen, in Abgasleitungen oder Schornsteinen und dadurch längere Lebensdauer dieser wertvollen Anlagen- oder Bauteile. Hintergründliches: Die ersten Gussgliederkessel, die 1893 Josef Strebel patentiert wurden, hatten am Vorderglied ein Gewinde R 1/2" eingebohrt, in das der sogenannte Feuerungsregler eingeschraubt wurde. Daran konnte man die gewünschte Vorlauftemperatur mit einem Drehknopf einstellen. Eine wärmeempfindliche Dehnpatrone bewegte unter dem Einfluss der Wassertemperatur über Hebel und Kette die Verbrennungsluft-Klappe am Türgeschränk des Heizkessels: Klappe auf! bei zu wenig, Klappe zu! bei zuviel Wärmeentwicklung aus der Glut im Feuerraum. Als gut 50 Jahre später die ersten neuen Heizölbrenner an die alten Heizkessel geflanscht wurden, ersetzte man die historischen Feuerungsregler durch Kesselthermostate. Damit war die "Vorlaufabtastung" eingeführt. Die Heizkessel wurden mittlerweile leichter, die Heizflächen auf der Rauchgas-Seite aufgefächert und der Wasserinhalt verringert. Noch viel schneller als ihre voluminösen Vorgänger reagieren diese Konstruktionen auf eine Wärmezufuhr durch die Öl- oder Gasbrenner mit steigender Vorlauftemperatur. Weil aber auch die Empfindlichkeit der "Vorlauffühler" zur Steigerung der Wirksamkeit der witterungsgeführten Heizungsregler auf 1°C verbessert wurde, ist der ständige Wechsel zwischen Brennerlauf und Stillstand programmiert. Zur Abhilfe werden teuere Pufferspeicher empfohlen, die periodisch geladen und durch noch teurere Mischregler - selbstverständlich mit Vorlauffühlern - den Sollwert der Vorlauftemperatur bieten können. Die einfache Lösung aller Probleme durch Umsetzen ein- und desselben (!) Fühlers vom Vorlauf an den Rücklauf wird dagegen auffälligerweise branchenweit abgelehnt. Der Umsatz mit Pufferspeichern, Mischer-Reglern und vielem anderen wäre in Gefahr. |
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