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Was der Zweck vom Ofen fordert
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Was der Zweck vom Ofen fordert Ein Händler mit zufriedener Kundschaft ist ein einsamer Mann, so heißt es, denn zufriedene Kunden erkennt man daran, daß man nach dem Verkauf nie wieder etwas von Ihnen hört. Glücklicherweise stimmt das nicht ganz, wir bekommen doch immer wieder Rückmeldungen von unseren Kunden, die von Ihren Erfahrungen mit unseren Öfen berichten. Natürlich geht es dabei immer um die milde, ganz besondere Wärme, die der Ofen schafft, aber auch ein zweites Lob hören wir immer wieder: der Ofen sei so unheimlich „praktisch“. Fragt man nach, ist mit praktisch nicht nur die Tatsache gemeint, daß man mit dem Ofen auch backen oder braten kann, sondern vor allem der Umstand, daß er so schnell warm macht. Eine halbe Stunde, nachdem das Feuer angemacht wurde, werden die Wände warm und beginnen zu strahlen, stark genug, um sich daran aufzuwärmen etwa eine Stunde nach dem Anfeuern ist auch ein kühler Raum schon spürbar erwärmt. Für Alfred Eisenschink, den „Erfinder“ unseres Ofens, ist das wieder einmal ein Beweis, wie wichtig für eine gute Konstruktion schon der allererste Schritt ist, der stattfindet, lange bevor die eigentliche Entwurfsarbeit beginnt: es ist dies das Erstellen einer Liste mit den Forderungen des Zwecks. Der Zweck ist dabei noch einfach definiert: der Ofen soll auf möglichst alltagstaugliche Weise über möglichst lange Zeit hinweg strahlungsstarke Wärme ins Haus bringen. Das Entscheidende ist nun, aus diesem Zweck die richtigen Forderungen an die Konstruktion abzuleiten. Sie legen fest, was das Gerät später überhaupt können kann, schon bei diesem ersten Schritt entscheidet sich, ob es später tatsächlich alltagstauglich ist, oder nicht alles was folgt, ist nur Ausarbeitung. Nimmt man die Reaktion unserer Kunden als Maßstab, war es ganz offensichtlich die richtige Entscheidung, in die Forderungen des Zwecks eine schnelle Wärmeabgabe aufzunehmen und nicht, wie es die meisten anderen Ofenkonstrukteure taten und tun, die gegenläufige Forderung nach einer möglichst großen Speicherfähigkeit. Beides gemeinsam lässt sich nicht verwirklichen, man muß sich für eines von beiden entscheiden. In seinem Ofenbuch „Feuer im Ofen“ und seinem Buch über Technisches Gestalten „Zweckform, Reißform, Quatschform“ hat Alfred Eisenschink seine Gründe für diese Entscheidung ausführlich erläutert, hier deshalb nur so viel: So lange ein Ofen kein Luftheizer, sondern ein Strahlungsofen ist, wird der Wunsch nach Wärmestrahlung auch bei erloschenem Feuer nie zum Problem, seine Erfüllung ist vielmehr selbstverständliche Dreingabe: Alle festen Gegenstände im Raum Außenwände, Innenwände, aber auch alle Möbel vom Stuhl bis zur Schrankwand werden von der langwelligen Wärmestrahlung erwärmt. Setzt diese aus, weil das Feuer erloschen ist und die Ofenwände abgekühlt sind, geben die erwärmten Gegenstände die gespeicherte Wärme wieder ab und sie tun es der Physik sei Dank - langsam: So langsam, dass ein Raum, den man am Morgen betritt - acht Stunden, nach dem man das Feuer am Abend zuvor ausgehen ließ - immer noch als erwärmt empfunden wird. Kurz und gut: Die Speichermasse ist im Raum sowieso vorhanden, warum sie also nochmals in den Ofen packen? Diese Erkenntnis machte den Weg frei für die Forderung nach möglichst kurzen Aufheizzeiten. Ein Weiteres ist wichtig bei der Auswahl der Forderungen des Zwecks: Man muß darauf achten, daß keine Forderungen aufgenommen werden, die einander widersprechen. Das würde nur dazu führen, dass man sich gezwungen sähe, die berüchtigten „faulen Kompromisse“ einzugehen. Beispiel: Eine weitere Forderung des Zwecks war die nach einer echten Grundfeuerung ohne Rost. Hier liegt die Glut im eigenen Aschebett, sie wird von allen Seiten von warmen Ofenwänden umgeben, kein „falscher“ Luftstrom kann sie auskühlen: Deshalb behält sie die Temperatur, die für eine vollkommene Verbrennung des Kohlenstoffes im Holz nötig ist. Der beste Beweis für diese optimale Verbrennung ist der minimale Ascheanfall. Wo der normale Ofenheizer nach jeder Feuerung den Aschekasten leert, heizt der Grundofenbesitzer munter weiter, ein, zwei Raummeter Holz können verfeuert werden, erst dann muß man ein bisschen Asche entfernen. Es wäre nun fatal gewesen, hätte man folgende Forderung des Zwecks mit aufgenommen: „Kundengeschmack erfüllen - Glastüre einbauen“. Eine Glastür im Ofenkörper ist, so schreibt Alfred Eisenschink in seinem Buch „Feuer im Ofen“, vergleichbar mit einem Loch im Eimer. Der verliert Wasser, die Glastür die Wärme, die die Glut im Ofen zum optimalen Ausbrand benötigt. Die schlechtere Verbrennung führt zu verunreinigtem Abgas, augenfällig wird sie vor allem durch die Holzkohlenstücke, die in einem solchen Ofen nach fast jedem Feuer liegen bleiben, während bei einem echten Grundofen eben nur Asche übrig bleibt. Verständlich also, warum Alfred Eisenschink nie daran gedacht hat, seinen Ofen auch mit Glastür zu verkaufen er hätte ihn seinem Selbstverständnis nach dann nicht mehr als Grundofen anbieten können oder wenn doch, dann gewissermaßen nur als „Mogelware“. Übrigens haben die Glastüren auch noch einen ganz gehörigen Pferdfuß sie sind im Nu von einer schwarzen Rauchschicht überzogen, schon nach zwei, drei Feuern hat die Glasscheibe bestenfalls noch Milchglasqualität. Das Foto zeigt hier das sehr schön. Vom Standpunkt des Feuers aus ist diese Schwärzung der Scheibe eigentlich nichts anderes als Notwehr, sie reduziert die Wärmeabgabe an die Scheibe und verbessert damit die Verbrennung. Weil vielen Herstellern aber der Kundenwunsch nach einer möglichst durchsichtigen Glasscheibe wichtiger ist, als die optimale Verbrennung, versuchen sie die natürliche Rußanlagerung möglichst zu verhindern. Zum Beispiel, in dem man vor der Scheibe eine Art Luftschirm aufbaut. Das verlängert zumindest etwas die Intervalle, in denen man die Scheibe putzen muß, wenn man etwas sehen will, macht die Konstruktion der Türwand vor allem bei einem irdenen Ofen aber ungleich komplizierter, damit teurer und vor allem auch anfälliger. Für die Verbrennung ist damit aber nichts gewonnen, eher im Gegenteil. Bleibt die Frage, ob es schade ist, wenn man im Wissen um das Wesen eines echten Grundofens auf die Glasscheibe verzichten muß. Der Ofenbesitzer, bei dem die verrußte Scheibe aufgenommen wurde, meint: Nicht wirklich. Die Scheibe, so erzählt er, hat er nur in der allerersten Zeit geputzt, so lang der Ofen neu war. Danach war der Blick auf das glimmende Holz, den auch er Anfangs für so wichtig gehalten hatte, kein Anreiz mehr (Lodernde Flammen, wie sie immer in den Prospekten zu sehen sind, sieht man sowieso nur kurz nach dem Nachlegen, nicht aber dann, wenn der Ofen wirklich Wärme abgibt). Und seit sich auch sein Ordnungssinn nicht mehr an der stets mehr oder weniger verschmutzten Scheibe stört, haben er und der Ofen ihren Frieden geschlossen. Er überlässt die Scheibe jetzt sich selbst sie verschmutzt einfach immer stärker, bis die Rußanlagerung so stark ist, dass sie teilweise wieder abfällt und der Prozess von vorn beginnt…
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