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New Orleans ist überall!
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New Orleans ist überall!
Auch wenn viele es nicht für möglich halten, was der sogenannte Hurrikan Katrina in den drei Südstaaten der USA angerichtet hat, kann auch bei uns geschehen. Läßt man das viele Wasser als Folge von Dammbrüchen außer Betracht, so bleibt als auslösende Zerstörungskraft der Sturmwind. Und ein Sturmwind muß nicht um ein Auge kreisen, auch geradeaus strömend, kann er Natur und Menschenwerk verwüsten.
Die physikalische Ursache hat der Physiker Daniel Bernoulli (1700 1782) herausgefunden. Er war ein geistiger Nachfolger Galileo Galileis (1564 1642) und teilt insoweit dessen Schicksal, als bis heute selbst gebildete Leute aus Kreisen der politischen Parteien, der Wissenschaften, der Industrien und besonders der Architektur meinen, Physik sei immer noch ein Nebenfach der Theologie: Man kann daran glauben, muß es aber nicht. Indessen handelt es sich bei den naturgesetzlichen Fakten der Physik um das sicherste Wissen, das die Menschheit bislang erwerben konnte.
Die Großbauten aller Art und die zigtausend Holzhütten sind unter dem gewaltigen Sturmwind nicht etwa verweht worden, sondern zuerst schlicht explodiert. Als Beweis dafür gelten dem Verständigen die geborstenen Fenster der Hochhäuser, die daraus hängenden Vorhänge oder Jalousien, die zerfetzten Fassadenteile, die aufgerissene Dachhaut des „Superdome“ und eben die Bretterfelder zersplitterter Holzhütten.
Wie das vor sich geht, ist schnell erklärt und leicht zu verstehen. Daniel Bernoulli hat herausgefunden, daß ein nicht verwirbelter Luftstrom auf einer Fläche Unterdruck erzeugt, und dies um so mehr, je schneller der Luftstrom darüberstreicht. Sturmwind mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h erzeugt an einer Hochhaus-Fassade einen derart starken Unterdruck, daß beispielsweise der Luftinhalt innerhalb eines Hochhauses einen gewaltigen Überdruck erfährt, der sich nach außen entspannen muß. Die Glasfenster modischer Hochhäuser halten diesem Überdruck nicht stand und bersten. Bilder davon waren mehrfach zu sehen. Unter der Dachhaut des „Superdome“ in New Orleans gab es, wie praktisch in allen Dachkonstruktionen, zwangsläufig dünne Lufteinschlüsse, die sich infolge des äußeren bernoullischen Unterdrucks plötzlich stark ausdehnten, und das Material darüber von innen her absprengten.
Genauso wirkte der Sturmwind auf die vielen Holzhäuser: auch deren Luftinhalt geriet zum explosiven Überdruck, der die Dächer und Wände auseinanderplatzen ließ. Vor dem Sturm sah man Menschen, die Fenster und Türen mit Spanplatten verschraubten. Damit wurde nichts weiter erreicht, als die Sprengkraft des Luftinhalts der Häuschen zu verstärken.
Nun hat auch hierzulande mancher Sturmwind schon Dächer abgedeckt. Dabei fliegen die Dachziegel zunächst durch den plötzlichen Überdruck der Luftschicht darunter hoch, und dann erst mit dem Wind davon. Noch einmal: weil eine gleichförmige, nicht verwirbelte Luftschicht über der Dachfläche einen Unterdruck erzeugt! Ein verwirbelter Luftstrom vermag das nicht. In windstarken ländlichen Gegenden zeigt sich dies als längst verwurzelte Volksweisheit.
Vor Einzelhöfen im Schweizerischen Appenzeller Land stehen seit jeher in der Hauptwindrichtung und im Abstand von 10 bis 15 Metern drei dünne Holzmasten: die Appenzeller Stängli. Wie leere Fahnenstangen schwingen sie leicht im Wind und verwirbeln die Strömung. Und durch diese Wirbel bleiben die Schindeldächer der Häuser auch im Sturmwind heil.
Viele oberbayerische Bauern errichteten einzelne Heustadel gern längs zur Hauptwindrichtung. Gleich hinter der angeblasenen Giebelseite liegen häufig drei Stangenhölzer vom First bis zur Traufe reichend nebeneinander auf den Satteldächern: Nicht um die Dachziegel gegen den Wind zu beschweren, sondern um den Sturmwind zu verwirbeln, damit die Dachplatten liegen bleiben.
Im Schwarzwald stehen seit Jahrhunderten „Schwarzwaldhäuser“ auf den Rodungshängen. Zu deren stimmungsvollem Bild gehören das Krüppelwalmdach, die geschwungene Tennenauffahrt und...ein riesiger Hausbaum vor der Giebelwand. Weil alte Bäume bisweilen starben und junge Leute die plötzliche Helligkeit im Haus schätzten, wurde in einigen Fällen kein neuer Hausbaum gepflanzt. Bekannt wurden diese Fehler nach dem jeweils nächsten Sturmwind: Der hat die Dächer abgedeckt. Seither wissen die jungen Bewohner wieder, weshalb ein Baum vors Schwarzwaldhaus gehört.
Wer noch Fixierröhrchen kennt, mittels derer man Firnis als „Fixativ“, daher der Name, über Ölgemälde sprühte, vielfach auch nur Wasser über Bügelwäsche, erkennt darin den angewandten „Bernoulli-Effekt“. Der starke, nicht verwirbelte Luftstrom aus dem liegenden Blasröhrchen streicht über die Mündung des in der Flüssigkeit stehenden Röhrchens und erzeugt denjenigen Unterdruck, der die Flüssigkeit hochsaugt, die der Luftstrom aus dem Blasrohr dann zerstäubt.
Genauso wirkt starker Wind über einer Schornsteinmündung: Der Zug steigt, das Feuer lodert auf, „das Holz fliegt aus dem Schornstein“ sagten unsere Großväter, und drosselten den Zug mit der Rauchgasklappe. Strich der Sturmwind dagegen an der Hauswand entlang, wirkte der Unterdruck durch Tür- und Fensterritzen, saugte Luft aus dem Haus und nicht selten auch Rauch aus der Ofentüre. War alles allen bekannt.
Bekannt könnte mittlerweile auch sein, warum Flugzeuge fliegen. Sie tun das nicht etwa, weil deren Flügel schräg angestellt sind, dies scheint nur so, wenn Flugzeuge auf dem Boden stehen. Nicht der Anstellwinkel der Flügel hebt die Flieger, sondern der Unterdruck über der gekrümmten Oberseite der Tragflächen. Er entwickelt sich im gleichförmigen Luftstrom der Fluggeschwindigkeit. Sehr zutreffend spricht man eben von „Tragflächen“ der Flugzeuge. Beim Flugzeug ein Segen, bei schnellen Autos eine Gefahr! Die gegenüber der ebenen Bodenfläche gekrümmte Oberfläche der Karosserie erfährt im Fahrtwind durch Unterdruck den nämlichen Auftrieb, der die Bodenhaftung der Räder mindert, und zum „Abheben“ der Fahrzeuge führen kann. Die Heck-Spoiler der Formel-1-Fahrzeuge sind auf der Oberseite eben gehalten und nach unten ausgebaucht. Dort entsteht daher der Unterdruck und man könnten die Spoiler „Druckflächen“ nennen, die dem Auftrieb der Fahrzeugformen entgegen wirken. Wer also die Ursache kennt, versteht alles, noch so vielfältige Wirken der Physik.
Mit eben diesem Verständnis und dem ebenso sicheren Wissen, daß überall, auch hierzulande, jederzeit starker und stärkster Sturmwind wehen kann, soll nun betrachtet werden, was dann im allgemeinen und im besonderen geschehen kann.
Die Glasfassaden hiesiger Hochhäuser explodieren ebenso wie jene in New Orleans. Um so schneller und vollständiger, wenn die dahinterliegenden Räume mit dem Gesamtvolumen der Bauten zusammenhängen. Die Fenster einzelner kleiner Räume, die durch (dichte) Türen abgeschlossen sind, könnten dem geringeren Überdruck vielleicht standhalten. Die modischen, angeblich zwecks Energieersparnis vorgebauten, den Wärmeverlust „puffernden“ Glashüllen älterer und neuerer Gebäude, fliegen buchstäblich restlos weg. Je dicker die Luftschicht dahinter, um so größer die Sprengkraft.
Der denkbare Einwand, der gefährliche Unterdruck entstünde nur durch den Sog des Schlotes über dem Auge des Hurrikans, greift nicht. Wo das Auge des Hurrikans mit der relativen Windstille übers Land zieht, sind die Schäden schon eingetreten. Die Windgeschwindigkeiten des rotierenden Feldes und der daraus entstehende Bernoulli-Effekt haben vor dem Auge schon gewütet. Nach dem Auge explodiert, was noch steht, durch den Sturm aus entgegengesetzter Windrichtung. Nach geltendem deutschen Recht unterliegt jeder (!) Architekt oder Planer seinen Bauherren gegenüber der „Hinweispflicht“. Das heißt, wenn und solange er die Auftraggeber nicht auf diese „Eigenschaft“ des geplanten Bauwerks beweisbar hinweist, bleibt er für die Folgen persönlich haftbar. Sobald einsichtige Versicherungsträger den alten Daniel Bernoulli wiederentdecken, werden sie einschlägige „Elementarschäden“ zu Folgeschäden aus Baufehlern umwidmen.
Gleiches trifft die Planer oder Hersteller von Eigenheimen. Die Sprengkraft des Luftinhalts der seit Jahren „verordneten“ luftdichten Wohnhäuser, wird Verhängnisvollerweise noch von keiner Stelle bedacht. Alle „Niedrigenergiehäuser“, ebenfalls „verordneter Standard“, sind gefährdet. Genauso die modisch gewordenen „Ständerbauten“, sowie alle aus flächigen Elementen verschraubten oder hochwärmegedämmten Leichtbauten; auch viele Fertighäuser. Das ist wahrlich keine Bangemache, sondern größter ausdenkbarer Unfall (GAU); sträflich unüberlegt angesichts der angeblich so sicheren Vorhersage künftiger größerer Häufigkeit großer Unwetter durch unermüdliche Klimaforscher! Ebenso sicher wie die „Klimaerwärmung“ beschworen wird, wird jeder Sturmwind nach Bernoulli wirken: Die Scherbenhaufen sind sicher!
Die Frage nach geeigneter Vorsorge drängt sich zwar auf, jedoch ist es für den Hausbestand hierzulande zu spät. Die Planer neuer Gebäude könnten umdenken, und ähnlich wie erdbebensichere auch sturmwindsichere Häuser erwägen. Handeln könnten sie indessen nur, wenn durch einen Bürokratie-Abbau und durch bessere Einsichten in der Energie-Politik entsprechende Freiräume geschaffen würden. Was kann dann, und wie, besser geplant werden? Leichter geschrieben, was vermieden werden muß: Explosivbauten!
Dazu ein Beispiel für Einfamilienhäuser. Weil menschenfreundlich für Jung und Alt, weil wertbeständig und haltbar über viele Generationen, empfiehlt sich das erdgeschoßige Massivhaus. Mit energiesparenden dicken Ziegelmauern, wohlproportionierten Räumen in funktionaler Folge, mit Sprossenfenstern, normaldicht für frische Atemluft und Seelenfrieden, alles unter einem „kalten“ Satteldach.
Bernoullisicher geriete so ein Haus durch folgende neue Lösungen: Die in die Fensterstöcke eingefalzten Klappläden von außen verschraubbar machen, und die Fensterflügel innen geöffnet feststellbar. In die, nebenbei löschwassersichere Betondecke über dem Erdgeschoß, im Flur eine Öffnung zum Dachraum von mindestens vier, besser zehn Quadratmetern Fläche gestalten; luft- und wärmedicht verschließbar mittels nach oben aufschlagender Klappen, samt geeignetem Antrieb für den Fall einer Sturmwindwarnung. Die Giebelflächen des für den anzustrebenden Erfolg bevorzugten Satteldaches, werden schlagregensicher aber als leichte Holzwände eingesetzt, die bei innerem Überdruck im Haus komplett nach außen wegfliegen könnten. Weitere Einzelheiten: ein paar Fahnenstangen vor dem Haus bis der Hausbaum groß genug gewachsen wäre, mindestens die Wirbelstangenhölzer auf den Dachziegeln am angeblasenen Giebel.
Der übliche „Geräteschuppen“ sollte womöglich aus Ortbeton massiv errichtet, holzverschalt, aber mit einbruchsicherer Stahltüre versehen werden. Bei Sturmwarnung die Geräte raus, notfalls ins Haus, und von dort alles Wichtige oder Wertvolle hinter den Beton!
Ein Haus dieser Bauart könnte in New Orleans heute dort noch stehen, wo der Wind wütete. Meterhohe Flutwellen waren in diesem Zusammenhang gedanklich ausgeschlossen. Gegen deren Wucht gibt es ohnehin kein Mittel, außer gefährdetes Land zu meiden.
Über konstruktive Notwendigkeiten, die das „Moderne Baugeschehen“ ebenfalls sturmwindsicher gestalten könnten, werden die Leute vom Bau, allen voran die „Stararchitekten“, notgedrungen erst dann nachdenken, wenn sie auf den Scherben der explodierten Ruinen stehen. Nichtsdestotrotz, und sei es noch so sehr in den Wind gesprochen: Weil der Sturmwind weht, wo er will, ist New Orleans überall. |
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