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Vielleicht hätte ich die Aktuellen Seiten besser von Anfang datieren sollen. Wer sie heute hintereinander liest, mag lästige Wiederholungen mancher Argumente erkennen. Aber die Themen wurden eben gerade nicht als fortlaufender Text verfasst. Und der Fluch vieler Aktualitäten ist ja gerade deren Vergänglichkeit. Sie festzuhalten, heißt nicht nur einem Verfallsdatum zu unterliegen, sondern auch mit der einen oder anderen Aussage später unverständlich zu werden.

Nun gibt es aber auch Fakten oder Ereignisse, deren Gewicht sie über jede Aktualität hinaus geradezu zeitlos macht. Die schreckliche Katastrophe am 11. September in den Vereinigten Staaten von Amerika wird der Menschheit im Gedächtnis bleiben, solange sie überhaupt bestehen wird. Diese unmenschliche Tat müßte unser aller Denken wandeln und unser Handeln gründlich verändern.

Indessen werden die allgemeine Bestürztheit und die offensichtlich noch länger anhaltende Planlosigkeit der führenden Politiker kaum zu vernünftigen Entschlüssen, sondern eher zu vordergründigem Aktionismus führen. Und im Streulicht vieler vermeintlich unerläßlicher Sofortmaßnahmen werden jene Interessengruppen ihre Süppchen garen, die sie schon lange auf dem Feuer halten. Da werden Drahtzieher darauf drängen, daß dies und jenes "nun endlich verabschiedet" wird. Einsprüche werden übergangen, Petitionen zurückgewiesen werden, weil die Tische nun endlich frei werden müssen. Schließlich muß "alles getan werden"... für das persönliche zur Schau stellen kollektiver Betroffenheit.

Hat es denn noch einen Zweck, gegen eine unsinnige Energiepolitik anzugehen, gegen Sparverordnungen, die uns physisch und volkswirtschaftlich ruinieren? Und ob! Es macht gerade jetzt einen Sinn, nicht 5 Millionen technisch intakter Heizkessel nur deshalb auf den Müll zu verordnen,  weil sie angeblich ein Prozent zuviel Heizöl oder Gas verbrauchen. Vielleicht zwingen uns kommende Umstände, ein Drittel oder die Hälfte des Brennstoffs unserer Heizanlagen einzusparen. Einfach durch Abschalten! Das  können wir auch mit den alten Heizkesseln, und die Ressourcen für neue sparen wir mit samt dem Geld dafür obendrein.

Die "Verschärfung" der Wärmeschutzverordnungen durch die eine neue EnEV muß unterbleiben. Luftdichte Häuser schaden unserer Gesundheit und zu sparen ist damit nichts, im Gegenteil, die Krankenkassen werden ein Vielfaches der verschwendeten Dämmstoffkosten für die Behandlung der Folgen des Lebens in verschimmelten Wohnungen und Häusern zahlen müssen. Und auf die Superdämmung kalt stehender Häuser kommt es wirklich nicht mehr an.

Ausgesprochenen Unsinn bedeutet das Verbot kleiner Einzelfeuerstätten für feste Brennstoffe unter dem Vorwand des Umweltschutzes und zum Senken des CO2-Ausstoßes. Die Stadträte von München und Nürnberg haben diesen Unfug außer Kraft zu setzen. Das Abgaswölkchen eines mit Holz beheizten Stubenofens spielt keine Rolle im Vergleich zur Öl- oder Gasheizung der ganzen Wohnung, oder des ganzen Hauses.  

Diese Ansicht entspringt keiner Schwarzmalerei, sondern der persönlichen Erfahrung eines Menschen des Jahrganges 1932, der die ersten Bombeneinschläge in München mit Klassenkameraden erst noch neugierig besichtigt, dann in zerbombten Häusern ohne Dach gewohnt, gehungert und gefroren hat. In Sparöflein, aus blechernen Gurkeneimern gebastelt, die statt der Ofenringe auf die Herdplatte gestellt wurden, habe ich  mit einer Handvoll Zweiglein aus den Isarauen die schon öfter erwähnten kleinen Indianerfeuer entfacht, damit für Mutter und mich die Wassersuppe gewärmt werden konnte - der Vater war bei der Feuerwehr wochenweise Tag und Nacht im Einsatz.

Vor diesem Hintergrund, dessen vielfältige Einzelheiten hier nicht ausgebreitet zu werden brauchen, hat sich meine Lebenseinstellung entwickelt. Deshalb beschränkte ich mich bei meinen Entwürfen als Ingenieur stets auf das Notwendige, gab ich dem Einfachen immer den Vorzug gegenüber dem Komplizierten. Und gerade durch den 11. September fühle ich mich in vielem bestätigt.

Diese Aktuellen Seiten werde ich zu Gunsten einer gebotenen Nachdenklichkeit einschränken. Ernsthaft interessierten Menschen werde ich gern, aber nach meinen Kräften zu guten Lösungen für schöne Häuser verhelfen. Gedankenlosen Fragereien werde ich mich verschließen, Leuten, wie einem Anrufer der am 11. September am Vormittag innerhalb von drei Stunden fünfmal anrief, um mir um 15 Uhr 45 bei meinem Rückruf zu sagen, daß er für täglich 800 Liter Warmwasserverbrauch seiner sechsköpfigen Familie eine billige Bereitungsart suche. Beim Pro-Kopf-Verbrauch der Familie anzusetzen, wie ich ihm raten wollte, und nicht bei der Technik, das habe er versucht, meinte er, sei damit aber gescheitert. Ende des Gesprächs! Dafür ist mir meine verbleibende Lebenszeit inzwischen zu schade.

Nehmen Sie es nicht als Ausdruck einer Resignation, sondern weil es eines Tages für mich zu spät sein könnte, daß ich allen Kunden und den vielen Freunden, die ich aus deren Kreis gewinnen konnte, für das Vertrauen danke, ohne das ich für keinen von Ihnen hätte arbeiten können. Es war mir immer bewußt, daß ich von jedem verlangt habe, mir gegen den Strom zu folgen. Das war sicher nicht leicht, aber immer schön, wenn wir gemeinsam das sprichwörtlich rettende Ufer erreicht hatten. Nur ein paar wenige haben losgelassen. Schade, aber auch dies war nicht zu ändern.

Als ich an den ersten freien Tagen nach einem über 50 Jahre währenden Berufsleben mit meiner Frau durch unser Blaues Land rund um Murnau radelte, fragte sie mich mehrmals: "Woran denkst du gerade?" - Sie spürte meine Abwesenheit in Gedanken. Manchmal glaube ich sogar, daß es unser Hund spürt, wenn ich mit ihm zu Fuß unterwegs bin. Er stellt sich mir bisweilen in den Weg, oder setzt sich vor meiner Lieblingsbank mit leicht schräg gestelltem Kopf in mein Blickfeld. Dann fühle ich mich von Frau oder Hund zurückgeholt aus der Einsamkeit der Gedanken, in die ich seit Kindesbeinen immer wieder falle. Weil es in mir immer denkt. Holen auch Sie mich gelegentlich mit Ihrem Anliegen zurück. Mit guten Gedanken bleibe ich... über die sancal weiterhin erreichbar.

Alfred Eisenschink

15. September 2001


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