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Spieglein an der Wand
Alfred Eisenschink Ob ein Haus auf dem Berg steht oder im Tal, im Wald oder auf der Heide, an einer Straße oder abseits vom Verkehr, ob es hoch gebaut werden soll oder hingeduckt, an geschützter Stelle oder frei, verputzt oder verschalt, mit großen Fenstern oder mit ausreichenden, das sind einige der Gesichtspunkte nach denen zusammen mit den Wunschbaustoffen oder mit solchen aus der Gegend entschieden werden kann, was für dieses eine Haus die beste Lösung für die Art der Wände oder Mauern ist. Hinzu kommt der Zweck, etwa ob der Bauherr für sich baut, oder verkaufen, gar vermieten will, ob er sich an die Wärmeschutzverordnung halten muß, oder will. Noch Dutzende anderer Vorgaben können eine Rolle spielen. Ganz ähnlich liegen die Dinge bei der Dachkonstruktion. Das kalte und durchlüftete Dach ist sicher. Hilft aber nichts, wenn der Dachstuhl ausgebaut werden soll oder muß. Pläne lassen sich zur rechten Zeit ändern, aber stehende Dachstühle nicht mehr. Dann muß bautechnisch richtig entschieden werden. Richtig im Hinblick auf Zugänglichkeit der Anschlüsse, der Belüftung, der Wärmespeicherfähigkeit, der Dichtheit gegen Wasser und Flugschnee, der Beständigkeit gegen Sturm, der Luftdichtheit beheizter und bewohnter Räume, und dazu kommen Vorlieben für oder Abneigungen gegen bestimmte Baustoffe seitens der Bauherrn, der Planer oder der Ausführenden. Selbstverständlich gibt es immer eine beste Lösung: die richtige für diesen einen Fall! Der Unerfahrene sucht sie im Wandaufbau von innen nach außen, will nur eben schnell am Telefon erfahren, daß er alles (!) richtig macht. Beim Dach werden die Schichten zwischen den Sparren in Briefen beschrieben und mit Produktnamen aufgezählt: "...4 cm Biospanol...", (der Name ist von mir frei erfunden, Übereinstimmung mit einer Wirklichkeit rein zufällig). Aber auch, wenn ein Vorschlag zeichnerisch dargestellt wird, ließen sich daran zwar grobe Fehler erkennen, aber nicht, ob die beste Lösung damit schon gefunden ist. Was kann ein Bauherr in solcher Lage tun? Ganz einfach, seine Pläne offenbaren und für die richtige Lösung offen bleiben. Das heißt das kleine Risiko auf sich nehmen, daß an seinen Ideen noch Kleinigkeiten verbessert werden könnten. Erfahrungsgemäß stecken die Probleme nicht im Baustoff für die Wand oder in der Dämmdicke zwischen den Sparren. Hinter der Haustüre können sie schon liegen, sich im Windfang verstecken, auf den gewendelten Treppen lauern, oder mit verzweigten Verkehrswegen die Wohnräume zerschneiden. "Nicht vorzustellen, wie wir wohnen würden, wenn Sie nicht vor 16 Jahren unsere Pläne umgestaltet hätten", sagte kürzlich eine Baufrau und "fast jeden Abend denke ich in unserem schönen Wohnzimmer daran!" Aber was kostet so ein guter Rat? Zunächst nur das Porto für die Plankopien an mich und ein paar Sätze in einem Brief dazu. Meine Antwort gebe ich in jedem Fall kostenlos. Wenn geplant und gearbeitet werden muß, nenne ich die Kosten nach Zeitaufwand vorab. Das ist mein Angebot. Anders gefragt, was wäre Ihnen als Bauherr ein Hinweis wert, der Ihnen in fünf bis zehn Jahren einen verschimmelten Dachstuhl und Sanierungskosten von ca. 25 000 Mark erspart? Oder was wäre eine Heizungslösung wert, die künftig jedes Jahr ein Drittel der Heizöl und Gaskosten einspart? Jeder kleine Bauhandwerker profitiert davon, daß die meisten Bauherrn lieber alles besser und teuerer haben wollen, aber keiner wirklich gut. "Billiger" kommt den Gutmeinern verdächtig vor, auch wenn es dann erst wirklich richtig wäre. Wie denken Sie über einen guten Rat, der ein paar Mark kosten kann? Ein junger Arzt behandelte im Berlin der zwanziger Jahre eine Klientel reicher jüdischer Patienten. Jeder stellte als erstes die Frage nach den Kosten. Von seiner jüdischen Freundin beraten, sagte der Herr Doktor: "Wenn ich Ihnen geholfen habe geben sie mir die Hälfte von dem, was sie mir jetzt gäben, daß ich Ihnen helfe!" Wären die Nazis nicht gekommen, wäre der Doktor schon als junger Mann steinreich geworden. Steinreich zu werden, lockt mich nicht mehr, aber helfen will ich immer noch gern. Lehrgeld, das andere hundertfach bezahlt haben, brauchen Sie nicht abermals zu opfern. Enttäuschung und Leid, das sich aus falschen Vorstellungen über richtiges Bauen entwickelt, müssen nicht immer wieder durchlebt werden. Es lohnt sich, bei jedem Hausplan, die Idee vom künftigem Wohnen und vor allem die Bautechnik abzuklopfen. Ich weiß, wovon ich schreibe und lasse Beispiele folgen. Damit Sie darin nicht eines Tages Ihre Baufehler wiedererkennen, sollten Sie Ihre Pläne schicken: Richtig Handeln - gut meinen genügt nicht! Worauf warten Sie noch? |
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