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Wissenschaftlichkeit versus Logik

Alfred Eisenschink

Das Wissen der Menschheit verdoppelt sich in immer kürzeren Zeitabständen, kann man immer wieder lesen. Indessen verkümmert das Wissen des einzelnen immer mehr. Immer weniger kann man sich mit Zeitgenossen über Fakten elementarer Physik, Chemie oder auch Mathematik unterhalten. Mit dem Hinweis auf "Spezialwissen", das gerade nicht zugänglich sei, wird abgeblockt und das Mitdenken verweigert. Immer wieder werde ich zufolge meiner Hartnäckigkeit im Erklären nach "wissenschaftlichen Beweisen" gefragt. Ich sehe dies als ein Gesellschaftsspiel im Stil der "Spiele der Erwachsenen", wie sie Eric Berne 1964 beschrieben hat (Rowolt 1967).

Damit meine Leser nicht ausklinken, sei der Zusammenhang kurz hergestellt: Zwischen Erwachsenen spielen sich nach Eric Berne in Gesprächen regelrechte "Transaktionen" ab. Man spielt miteinander nach vorgegebenen und unbewußt eingeübten Mustern. Die Spiele hat Eric Berne erkannt und benannt. Eines nennt er verkürzt WANJA, ausgesprochen "Warum nicht - Ja aber", und es verläuft so: Jemand erzählt Ihnen von etwas, das ihm widerfuhr, an dem er leidet, was ihn kümmert. Sie wissen einen Rat und antworten "Warum tun sie nicht ...?" und darauf entgegnet der Spieler "Ja, aber ...das geht nicht, weil...!" Sie gehen darauf ein mit "Warum nicht...?" Und das Spiel nimmt kein Ende, denn der Spieler hat das schon öfter über 7 Sätze und 18 Tiebreaks durchgestanden.

HABEWIS würde ich das Spiel frei nach Eric Berne nennen, das mir immer wieder angetragen wird: Haben Sie wissenschaftliche Beweise?

1972 hatte ich den Staubsauger als häuslichen Staubpegelerhöher bezeichnet und beschrieben, daß er zwar in seinem Filter vieles Grobe zurückhalten kann, aber zwangsläufig - eine meiner Marotten, auf die naturgesetzliche Zwangsläufigkeit hinzuweisen - einen Teil feinerer Partikel durchlässt. Schließlich muß der Filter Luft durchlassen, weil der Staubsauger sonst nicht saugen könnte, und mit dieser Durchlaßluft entweicht auch feinster Staub. Dieser Feinstaub ist indessen für unsereins gefährlicher, als der grobe, zurückgehaltene, den das feine Zeug ist lungengängig, mogelt sich an Nasenhaaren, Schleimhäuten und Flimmerepithel vorbei und gelangt auf Nimmerwiederkehr in die Lungen.

Weil damals schon einiges über Lungenkrebs bekannt war, etwa daß sich um Feststoffeinschlüsse im Lungengewebe Karzinome entwickeln können, mutmaßte ich, wie ich fand logischerweise, als Folge der üblichen staubaufwirbelnden Luftheizerei, des luftfilternden Klimatisierens, der Staubsaugerei und des zunehmenden Feinstaubgehalts in immer luftdichteren Wohnungen, daß die Lungenkrebsrate weiter ansteigen würde, selbst wenn die Raucher - wiederum die am meisten Gefährdeten -  zahlenmäßig abnähmen.

Das erste HABEWIS wurde mir daraufhin vom SPIEGEL angedient: Ich hatte keine wissenschaftlichen Beweise anzubieten - außer meiner privaten Logik - und auch nicht jener Professor aus Kassel, der zu ähnlichen Folgerungen kam. Wir hatten unsere SPIEGEL-Affäre (19/1980, S. 119 f).

Seit damals wird mir das Spiel bei jeder Gelegenheit angetragen. Etwa, wenn ich berichte was meine Kunden über das Raumklima der san cal Heizleisten schildern: Das Asthma der Kinder, die Allergien, der Dauerschnupfen sei wie weggeblasen. Sofort wird nach wissenschaftlichen Beweisen gefragt. Wer in aller Welt sollte die Fälle untersuchen, auch noch wissenschaftlich? Die vernünftigen Zeitgenossen, die ohne "Beweise" meiner Arbeit vertrauen, sind buchstäblich über die halbe Welt verteilt, und keineswegs litten alle an Asthma, an Allergien oder Schnupfen. Sogenannten wissenschaftlichen Untersuchungen billigt die Wissenschaft selbst so ab 3000 beobachteten Patienten ausreichende Aussagekraft zu. Wer sollte die finden und untersuchen? Zu welchem Zweck? Etwa um ein paar HABEWIS-Spieler zu entwaffnen?

Ganz ähnlich ergeht es mir regelässig mit meiner Entdeckung der Ursache für "restless legs", die "Ruhelosen Beine" (Gut schläft sich`s am besten, Resch 1985, S. 33). Meinen Vater trieb dieses Leiden in den Tod. Es gilt als unerforscht und als nicht therapierbar. Wie vieles, habe ich auch das von meinem Vater mitbekommen. Doch ich habe, wenngleich zu spät für ihn, die Ursache herausgefunden, und bin seither von allen Beschwerden befreit: durch ein Paar abgeschnittener Socken, die ich allnächtlich anziehe. "Darüber sind keine  Untersuchungen bekannt", sagten mir Dutzende von Ärzten. Erkennen Sie das Spiel?

HABEWIS läuft nicht endlos, wie WANJA, sondern wirkt sofort und wird keulenähnlich als Waffe gebraucht. Allerdings nur gegen den eigenen Verstand. Da hilft dann kein Hinweis auf Kopernikus, der die Sonne als Zentrum unseres Planetensystems erst erkannt, und dann erst nachgewiesen hatte. Auch der Hinweis auf Einstein zählt nicht, der sich seine Relativitätstheorie zunächst einmal nur ausgedacht hatte, ehe andere Wissenschaftler Beweise erkannt zu haben glaubten. Wie, bitteschön, kann sich ein Eisenschink mit Einstein vergleichen? - Ich denke, also bin auch ich, oder nicht?!

Bleiben Sie dran: Mittlerweile gibt es die wissenschaftlichen Beweise und meine HABEWIS-Freunde haben ausgespielt.

 

Die VDI nachrichten berichten am 15. 03. 2002 über Studien aus den USA, wonach winzigste und ultrafeine Partikel in der Luft so gefährlich sind wie Passivrauchen: "In den USA gelten sie als Umweltproblem, die EU zögert noch". 16 Jahre lang wurden über eine halbe Million Amerikaner untersucht. Ergebnis: Das Krebsrisiko steigt mit je 10 Teilchen Feinstaub je Kubikmeter Luft um 8 Prozent! Und für die WHO hat schon 1996 ein internationales Forscherteam errechnet, daß jährlich 40 000 Franzosen, Österreicher und Schweizer an Krankheiten sterben, die Feinstäube verursachen. Merkwürdigerweise wird über die Zahl der toten Deutschen geschwiegen. Obwohl heutige Meßsysteme auch die Ultrafeinstäube erfassen können, soDr. Norbert Englert vom Bundesumweltamt, wird in Deutschland nur vereinzelt gemessen. Und Prof. Erich Wichmann, Direktor des Instituts für Epidemiologie am GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg: "Feinstaub ist gefährlicher als Schwefeldioxid". 1995 bis1998 hat er die Luftverschmutzung in Erfurt gemessen und mit Werten aus den achtziger Jahren verglichen: Feinstaubgehalt der Luft und Sterblichkeit lagen dort in den achtziger Jahren um das Zehnfache höher, die SO2-Konzentration jedoch war hundertmal höher.

Ernüchternde Zahlen, die da in einer Fachzeitung eher nebenbei preisgegeben werden. Noch einmal: In Frankreich, Österreich und der Schweiz sterben jährlich 40 000 Menschen durch lungengängige Feinstäube. Das sind gut einhundert pro Tag, oder alle Viertelstunde einer. Ich hatte also gute Gründe, vor staubaufwirbelnden Luftheizungen, vor Klimaanlagen und vor Staubsaugern als Staubpegelerhöher schon 1972 zu warnen. Die Opfer fallen nicht plötzlich aus den Schuhen, etwa weil sich ihre Lungen mit dem Zivilisationsschmutz gefüllt hätten wie Staubsaugerbeutel, sondern sie sterben langsam, bisweilen qualvoll an Lungenkrebs oder an anderen Karzinomen, die im Körper überall entstehen können, weil die Feinstäube, wie Bakterien und Viren, über die Lungen in die Blutbahn gelangen können.

Erich Wichmann erläutert wissenschaftlich, daß Luftfilter  kaum gegen die Feinstäube helfen, die Feinstaubmenge sogar zunimmt, je "sauberer" die Luft ist: Die winzigen Stäubchen heften sich an größere Partikel und sinken zu Boden. Staubfilter in Industrieanlagen und in Autos fangen die größeren Teile ab und verhindern den Selbstreinigungseffekt.

Die gegenseitige Anziehungskraft schwebender fester Körper ist uns seit der Schulzeit bekannt. Und den Selbstreinigungseffekt der Atemluft kennen meine Leser längst als Folge angewandter Strahlenwärme, die alle Raumluft unbewegt in Ruhe lässt. Da kann aller Staub zu Boden sinken, der nicht in unsere Lungen gehört. "Unser Haus ist im Winter ebenso wohnlich wie im Sommer, weil alle Türen auch während der Heizperiode offen bleiben" schreibt ein Kunde. Es unterbleiben also auch die "Windstöße" der Türblätter, weil keiner schreit: "Mach die Tür zu!" Das paßt alles zum Strom der Prozessluft über Heizleisten, nachzulesen in "Schöner bauen, richtig heizen, besser wohnen!" (Resch, 2. Auflage 1995, S. 53 Einfache Logik, ohne große Wissenschaftlichkeit!

Was wird nun geschehen? - Nichts, solange Sie nicht reagieren. Erst wenn Sie die gefährliche Luftheizerei nicht mehr hinnehmen und Strahlenwärme fordern, die luftdichten Wohnschachteln mit den Schimmelpilzen an Wänden und Decken ablehnen, - Schimmelsporen sind besonders giftige Feinstäube - wenn Sie die Beutelstaubsauger wegwerfen und stattdessen solche mit Wasserfiltern kaufen, dann könnte sich wenigstens für Sie und Ihre Gesundheit etwas zum Besseren wenden. Und in allen Verdachtsfällen sollten Sie sich an das Bundesumweltamt, an Ihr Ministerium für Familie, Gesundheit, Verbraucherschutz, oder wie auch immer wenden. 

Auch Sie können, wie ich das nicht nur in meiner beruflichen Arbeit stets getan habe, den Hausverstand einschalten. Verknüpfen sie einfach alles was Sie gelernt, gehört, gelesen haben mit allem was Sie tagtäglich sehen, spüren erleben und erleiden, und verlassen Sie sich bei Ihren Urteilen auf die uns allen angeborene Denkfähigkeit. Halten Sie gleich einmal einen Bleistift, oder was Sie gerade in die Hand nehmen können, mit gestrecktem Arm von sich. Stellen Sie sich nun vor, was passiert, sobald Sie die Hand öffnen. Klar: das Ding fällt zu Boden! Das zu erkennen, geht ohne wissenschaftliche Beweise.  Logik bringt Sie weiter. Was Sie mit selbst angewandter Logik erreichen, macht obendrein auch noch glücklich, unabhängig davon, ob das die Wissenschaftlichkeit irgendwann einmal bestätigt. Ich weiß es -  und Einstein wußte das gewiß auch. 


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