Eignen sich Niedertemperaturkessel für Heizleisten?

Antwort: Selbstverständlich!

Die Bezeichnung „Niedertemperatur“ bezieht sich bei Heizkesseln
nicht auf die Betriebstemperatur der Heizanlage. Es geht vielmehr um die Fähigkeit des
Heizkessels, bei niedrigen Heizmitteltemperaturen an den Heizflächen kein Kondensat aus
den Rauchgasen entstehen zu lassen.

Hintergründliches: Seit alle namhaften Kesselhersteller die Erfindung des Günter Fuchs, die
trockene Heizfläche, übernommen haben, arbeiten die Kessel praktisch schwitzwasserfrei.
Das war früher nicht der Fall. Die wasserberührten Heizflächen waren in der Nähe des Rücklaufeintrittes
in den Kessel so kalt, dass daran Wasserdampf aus den Rauchgasen kondensierte.
Die saueren Kondensate führten zur Korrosion des Kesselwerkstoffes und diese verkürzte
die Haltbarkeit der Kessel oft beträchtlich. Als Abhilfe kannte man nur hohe Betriebstemperaturen.
Die Heizkessel wurden dabei konstant mit 70 bis 80°C gefahren und die für den
Heizbetrieb erforderlichen niedrigeren Vorlauftemperaturen erzielte man durch das Beimischen
kälteren Rücklaufwassers.
Die Freude der Kesselhersteller über die konstruktive Beseitigung des Kondensatanfalles
trotz niedriger Betriebstemperaturen ließ die Bezeichnung „Niedertemperaturheizkessel“ aufkommen.
Weil aber nicht alle Nachempfindungen der Ideen des Günter Fuchs gleich niedrige
Kesselwassertemperaturen zuließen, kamen diejenigen Hersteller, die Stillstandstemperaturen
oder Kaltwassertemperaturen fahren konnten, auf die Wortschöpfung „Tieftemperaturheizkessel“.
Dass sie mit der „Tieftemperatur“ wohl einem Kühlschrank, aber kaum einem Heizkessel
ein vertrauenerweckendes Beiwort anhingen, fällt unter Branchenblindheit. Gelegentlich wird
der sogenannte Tieftemperaturbetrieb einer Heizanlage wegen angeblich niedrigerer Abstrahlungsverluste
als besonders notwendig erachtet. Dieser relative Unsinn lässt sich absolut
bewerten: Alle Heizkessel müssen so gut gedämmt sein, dass die Abstrahlung unter 1% der
sogenannten Nennheizleistung liegt. Nennheizleistung gibt ein Heizkessel bei höchster Betriebstemperatur
ab. Während einer Heizperiode erreicht ein Heizkessel aber nur viel niedrigere
Betriebstemperaturen, im Mittel gerade 50°C. Die Abstrahlung sinkt dadurch ebenfalls
auf weniger als die Hälfte, das heißt auf unter 0,5%.
Liegt nun beispielsweise der jährliche Heizölverbrauch eines Hauses bei 3000 Liter, so erreicht
die Abstrahlungsverlust-Quote weniger als 15 Liter pro Jahr. Durch eine konstruktive
Senkung der maximalen Betriebstemperatur einer Heizanlage von 90 auf 75°C können jährlich
ca. 3 bis 5 Liter Heizöl gespart werden. Die Heizkörper müssen dafür rund 20% größer
ausgelegt werden. Der finanzielle Aufwand erreicht schnell 500.- bis 1000.- €. Bei den aktuellen
Heizölpreisen erreicht das Mehrkosten-Nutzen-Verhältnis (MNV) Werte von 500 : 1,5
= 333 bzw. 1000 : 2,5 = 400. 333 bzw. 400 Jahre dauert es, bis die zusätzlichen Kosten einer
Niedrigtemperaturanlage, (75° C Vorlauf, 55° C Rücklauf) wieder eingespielt sind. (Zum
Thema MNV siehe auch die Fragen 16, 24, 26, 27, 28 , 93, 95)

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